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Grauenhaft

Diese Wörter und Sätze verursachen einen Krampf in der Kopfhaut. Wer sie verwendet, hat verloren.

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Auslegeordnung

Erinnerungen an die RS überfallen einen wie Albträume, und zum Albtraumhaftesten gehört die Erinnerung an die Auslegeordnung: eine feuchte Böschung irgendwo zwischen den Käffern Moudon und Ursy, auf der man irgendwelchen Krempel auszubreiten hat, zur Prüfung, ob alles noch vorhanden sei: Pistolenmagazin, Gamellendeckel, Gasmaskenfilter, Mannsputzzeug. (Dieses Wort ist von einer Doofheit, die fast schon wieder ins Originelle überkippt.) Die Auslegeordnung im übertragenen Sinn beschwören vor allem Politiker bei «Arena»-Auftritten. «Zuerst ist jetzt einmal eine Auslegeordnung nötig», das passt immer, wer wollte da etwas dagegen sagen? Genau deshalb ist das Wort ein Symptom rhetorischer Kurzatmigkeit und intellektueller Tagesschläfrigkeit. Eine Auslegeordnung zu machen, heisst, alles zu benennen und nichts zu bewerten, geschweige denn zu entscheiden. Ausserdem ist es in der Politik (und im Leben) vergeblich, Ordnung schaffen zu wollen, denn stets bläst der Wirbelwind der Unvorhersehbarkeit das ganze Zeug wieder durcheinander. So einen richtigen Taifun, der das Mannsputzzeug (et toute l’armée) hinweggefegt hätte, habe ich mir damals auch gewünscht.
Sandro Benini

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