Die neue Lust am Imkern

Das Bienensterben, in Markus Imhoofs Film «More than Honey» eindrücklich dokumentiert, bewegt die Menschen.

Bienenschicksal bewegt: Immer mehr Menschen interessieren sich für die Bienenzucht.

Bienenschicksal bewegt: Immer mehr Menschen interessieren sich für die Bienenzucht.

(Bild: Keystone)

Fünfmal mehr Leute als üblich wollten sich letztes Jahr in der Region Basel dem Imkern zuwenden. So gross war die Nachfrage nach den vom Bienenzüchterverband beider Basel angebotenen Kursen noch nie.

Von 150 Interessierten stiegen nach einer Vororientierung über die Freuden und Leiden des Imkerns immer noch sagenhafte 73 in den zweijährigen Kurs ein, wurde am Freitag an der Delegiertenversammlung des Verband in Laufen berichtet. Eine ziemliche Herausforderung für Kurs-Obmann Heinz Degen, Bauer auf dem Kapf in Hölstein, und seine Kursleiter. Sieben parallele Kurse werden 2014/2015 gefahren.

Marcel Strub, Leiter der «Fachstelle Bienen» der Kantone Basel-Stadt, Baselland und Solothurn, glaubt, dass die Medienberichte um das Bienenschicksal viele bewegt. Er vermittelt in den Einführungen, dass das Imkern neben Freude auch Arbeit mit sich bringt und notwendig ist, dass alle sich an der Bekämpfung der Varroa-Milbe beteiligen.

Martin Dettli, Agroingenieur in Dornach, der Kurse gibt und gegenwärtig rund um Vereinsbienenhaus und Kräutergarten in Nenzlingen einen Bienen-Erlebnispfad plant, berichtet, dass viele sich auf Imhoofs Film, aber auch auf das Internet beziehen, wo der Umgang mit Bienen allerdings fälschlicherweise gern als Kinderspiel geschildert werde.

Die in sechs Vereinen organisierten Bienenzüchter der Region blicken auf ein gemischtes Honigjahr zurück. Wie der scheidende Verbandspräsident Hans Stöckli darlegte, verhinderte ein kalter und nasser Frühling die Entwicklung der Völker. Die Blütenhonigernte fiel buchstäblich ins Wasser.

Hans Stöckli Ehrenmitglied

Dafür gab es einen langen Sommer mit hohen Erträgen an «Waldhonig». Die Folge: Die Endbekämpfung der Varroa-Milbe wurde in den Dezember verschoben. Stöckli (68), eine starke Stütze des Bienenwesens der Region, tritt nach 21 Jahren Vorstandstätigkeit kürzer und wird sich nun vor allem um die eigenen Bienen und die «Belegstation» bei Himmelried kümmern, wo jungfräuliche Königinnen auf auserwählte Prinzen treffen. Was letztes Jahr in 176 Fällen erfolgreich war. In das Präsidentenamt wurde in Laufen der Präsident des Vereins Laufental, Erwin Borer, gewählt. Stöckli wird Ehrenmitglied. Am Jahresende 2013 zählte der Verband 769 Mitglieder. Sie ernteten laut Bericht der «Honigkontrolle» 34 401 Kilo Honig, zwischen 17,6 (Bezirk Arlesheim) und 25 (Laufental) pro Volk. Wie gut die Bienen aus dem Winter in den Frühling starten, könne man derzeit nicht sagen, meint Hanspeter Schwaiger, Basels Kantonaler Bieneninspektor. Gefährlich wird es, wenn es zu früh warm wird. Dann beginnen die Bienen sofort, neue Brut anzulegen und erfrieren, wenn es zu kalt wird.

Basler Zeitung

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