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Zehn Beschäftigungen, die jetzt mit Kindern angesagt sind

Was man als Familie machen kann, wenn endlich mal alle zu Hause sind.

Kinder wollen während des Schulstopps beschäftigt sein. Foto: plainpicture
Kinder wollen während des Schulstopps beschäftigt sein. Foto: plainpicture

«Hurra, hurra, die Schule brennt» heisst ein Hit aus den 80ern – ähnlich glücklich sind viele Kinder mit dem Corona-Schulstopp. Weniger stark euphorisiert dieser die Eltern. Hat man die Betreuungslogistik endlich geregelt, fragt sich, was der Nachwuchs bis nach dem Ende der Frühlingsferien den lieben langen Tag machen soll. Klassische Freizeitbetätigungen wie Reisen, Skifahren, Schwimmen oder Museumsbesuche fallen weg. Nun, es gibt kein Handbuch für die Elternschaft während einer Pandemie, aber unsere Kulturredaktion hat für Sie Tipps zusammengestellt.

1. Neues ausprobieren

Sie wolle jetzt endlich mal die Miyazaki-Filme auf Japanisch schauen, sagt die 17-jährige Tochter – und tatsächlich, die Idee ist verlockend. Denn mit den üblichen Freizeitbeschäftigungen wird man rasch durch sein in den nächsten Wochen, es braucht grössere Unternehmungen. Also: Beatles-Songs für Posaune, Gitarre, Blockflöte und Pfannen-Perkussion bearbeiten. Aus den frisch geschnittenen Weidenästen im Garten eine Arche Noah konstruieren. Das perfekte Cheesecake-Rezept entwickeln. Und: Mit dem zehnjährigen Sohn das Schulhaus in Lego nachbauen, Massstab 1:100. Denn ein bisschen Nostalgie wird schon aufkommen.Susanne Kübler

Das grosse Flauschtier aus Hayao Miyazakis Film «Mein Nachbar Totoro» von 1988.
Das grosse Flauschtier aus Hayao Miyazakis Film «Mein Nachbar Totoro» von 1988.

2. «Corona-Bänzen» backen

Man nehme ein halbes Kilo Mehl, mische je anderthalb Kaffeelöffel Salz und Zucker sowie 60 Gramm klein geschnittene Butter hinzu. In drei Dezilitern Milch wird ein halber Würfel Hefe aufgelöst. Mehl und Milch vermischen und so lang kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht, der dann unter einem feuchten Tuch zwei Stunden ruht. Genug Zeit, um den Kindern in bedachten Worten zu erklären, warum es Sinn macht, Grossmami und Grosspapi die nächsten drei, vier Wochen nicht zu sehen… Ist der Teig aufgegangen, wird er geviertelt und zu Kugeln geformt. Mit einer Schere werden diese so eingeschnibbelt, dass sie optisch an das Coronavirus erinnern. Wetten, Ihr Kind weiss ganz genau, wie es aussieht? Mit Rosinen verzieren, mit Ei bestreichen und bei 200 Grad circa 20 Minuten backen. Sind die «Corona-Bänzen» fertig, rufen Sie mit den Kids die Grosseltern an und erzählen ihnen davon.Daniel Böniger

3. Ruhigen Gewissens gamen

Die Stunde von Corona ist auch die Stunde des Streamings. Neben Netflix ist bei uns die Playstation der grosse Gewinner. Bereits mehrere Male wurde die Konsole als Strafmassnahme in den Keller verbannt, nun darf der Sohn so oft und so lange spielen wie sonst nie. Online total steril mit seinen Kollegen verbunden, gamt er sich glücklich durch die Krise.Philippe Zweifel

Das Virus lässt festgelegte Bildschirmzeiten kollabieren.
Das Virus lässt festgelegte Bildschirmzeiten kollabieren.

4. Hindernisparcours

Als Aktivität mit kleineren Kindern – Liam, nein, jetzt können wir nicht iPad malen – empfiehlt sich der Karton-Parcours. Dafür – nicht aufs Fensterbrett, Liam, ich muss jetzt diesen Text schreiben – bestellt man im Online-Shop Dinge, auf die man in der aktuellen Situation unmöglich verzichten kann, etwa eine Tischlampe oder ein schönes Frottiertuch. An den oft sehr voluminösen Kartonverpackungen – Liam, nicht den Helikopter in den Tee – kann das Kind unter Aufsicht mit der Schere üben und die «Geschenke» auspacken. Aus leeren Verpackungen und Schaumgummi lässt sich in der Wohnung ein lustiger Hindernisparcours bauen, wobei sich – nicht wie eine Katze am Türrahmen lecken, Liam – bei den Eltern nun ein Gefühl grosser Erleichterung einstellt angesichts des Gedankens, dass bald wieder die Kartonabfuhr kommt.Pascal Blum

5. Zeit für Kartenspiele

Einfachstes Zubehör, tendenziell unendliche Beschäftigungsdauer: Kartenspiele gibts in jedem Haushalt, und es gibt sie in allen Schwierigkeitsgraden. Kleinere Kinder haben Spass an Uno, etwas grössere an Rommé; hier lernt man schon, strategisch zu denken. Wichtig und förderlich für die Familiendynamik ist, dass man gegen die Eltern gewinnen kann. (Bei ganz kleinen Kindern funktioniert das schon mit Memory, erstaunlich, was die sich alles merken können.) Ab zehn kann man es mit Skat oder Doppelkopf versuchen. Ich erinnere mich, wie wir unseren Kindern die Regeln über mehrere Tage schrittweise beigebracht haben, was sich an Regentagen in den Ferien auszahlte: Sie wollten überhaupt nicht mehr damit aufhören. Gut, wir sind eine deutsche Familie, aber in der Schweiz müsste das mit Jassen genauso gut gehen.Martin Ebel

6. Einräum- und Rauswerfspass!

Lockdown. Lern- und Spielzeug liegen parat. Doch lohnt es sich, erst das Daheim für die Dauerbesetzung auf Vordermann zu bringen? Ernsthaft: Grossreinemachen, Räumen, die Wohnung endlich reorganisieren, Änderungen einfach mal ausprobieren: Das kann mit Kindern verschiedenen Alters das allererste Spiel sein. Kleinkinder sind ohnehin Fans vom Nest- und Häuschenbau; auch Teenager erfinden sich gern neu. Ran an Staubwedel und Putztuch! Auf zum Einräum- und Rauswerfspass! Dazu, Tipp im Tipp, mit den Kleinen die unsterbliche Szene aus dem musikalischen Kultfilm «Mary Poppins» gucken: Die Kids dort ziehen einen Flunsch, weil sie aufräumen müssen, merken aber schnell, dass «in every job that must be done, there is an element of fun!». Stellen Sie das Lied «A Spoonful of Sugar» auf Loop. Los gehts! Danach, als raumgestalterisches Langzeitprojekt drinnen oder draussen: Frühlingsbeete anlegen.Alexandra Kedves

7. Sinnvolles Fernsehen

Bei vielen bestimmt verpönt, aber schauen Sie mal: Es gibt so viele tolle Sendungen für Kinder, mittlerweile sogar extra angepasste TV-Programme für die Zeit, in welcher der Nachwuchs nun vermehrt zu Hause sein wird. Erklärsendungen, Tierfilme, Bastelworkshops, Kurzdokus darüber, was Kinder und Jugendliche in ihrem Alter bewegt. Man kann mit den Kindern ja auch ausmachen, welche Sendungen sie gezielt nach ihren Interessen schauen möchten. Dazu kann man zusammen selbst gebackene Muffins essen und selbst gemachte Minze-Zitrone-Limo trinken, dann ist die ganze Angelegenheit tatsächlich ein Familien- und sogar Home-Schooling-Event. Aleksandra Hiltmann

8. Ab in den Wald

Auch in Zeiten von Corona werde ich die wenige Zeit, die mir für meine Kinder bleibt, im Wald verbringen. Dort gibt es viele Eigenbrötler und keine Menschenmassen. Dort steckt man sich mit allem Möglichen an, nur nicht mit dem Virus. Dort ist der ideale Ort für unser familiäres Wir-Gefühl – dies umso mehr, als man in den nächsten Wochen notgedrungen viel Zeit in der Wohnung zubringen muss. Der Wald bietet für Kinder (und für Erwachsene) alles, was wichtig ist: frische Luft, fremde Gerüche und beglückende Entdeckungen auf kleinstem Raum. Und während Bäume entschlossen für die Einhaltung der sozialen Distanz sorgen, erinnern Bäche mit ihrem sanften Rauschen an die regelmässige Hygiene. Im Wald lösen sich die Verbote in Luft auf – darum nichts wie hin.Guido Kalberer

Weit weg vom Corona-Stress ist man auf einem Waldspaziergang.
Weit weg vom Corona-Stress ist man auf einem Waldspaziergang.

9. Endlich Zeit füreinander

Kleine Kinder muss man beschäftigen, bei grossen kann man froh sein, wenn sie sich ab und zu noch mit uns Eltern beschäftigen. Da ist Corona eine Chance: Wenn der 17-Jährige nicht mehr ständig unterwegs ist, habe ich Gelegenheit, wieder einmal mit ihm einen ruhigen Abend zu verbringen. Dann schauen wir uns «Friends» an, aber nicht auf dem Mobiltelefon, wie er das ständig macht (auch beim Braten seiner geliebten Spiegeleier). Nein, wir streamen auf den TV-Bildschirm. Und dann erklärt er mir endlich, was ich schon lange wissen will: Wieso diese verstaubte Serie aus den 90er-Jahren heute unter Jugendlichen wieder so angesagt ist.Matthias Lerf

10. «Co-ro-na-virus! Co-ro-na-virus!»

Singen ist Magie. Die Wohnung ist eng, die Stimmung gehässig, aber dann fängt eine an zu singen – ganz egal, ob schief oder präzis – und das Jetzt verwandelt sich. Alles wird sofort anders, eben meist leichter. Ein beiläufiges, spielerisches Singen, in der Küche oder im Bad. «Summertime», ein Lied von Reinhard Mey oder irgendein dummer Radio-Hit. Die Mutter singts zuerst, der Vater modellierts, die Töchter verulkens. Und manchmal stellt der kleine Sohn auch ganz allein ein paar Töpfe auf, drescht mit der Kelle drauf ein und schreit wie ein besessener Hardrocker: «Co-ro-na-virus! Co-ro-na-virus!» Dann gibts nur eins: Mitbrüllen!Linus Schöpfer

Und plötzlich fangen die Leute, die in ihren Wohnungen eingesperrt sind, an, zu singen: Gemeinsam macht man sich so Mut gegen die Angst vor den Folgen der Corona-Epidemie. Video: Twitter/Aline Bavier

Wie gehen Sie mit der Situation um? Erfahrungen und Tipps können Sie gern unten in der Kommentarspalte eintragen.

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