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Trinken, Tränken, Sommerdrinks

Acht Vorschläge, mit welchem Cocktail in der Hand man die Sommerhitze am besten übersteht.

Für ein Apéroland wie die Schweiz sind Cocktails etwas eher Fremdes, zumindest wenig Gewohntes. Hier geniesst man nach der Arbeit und vor dem Essen gerne ein Bier oder einen Ballon blanc, gelegentlich Sherry oder Wodka Tonic, aber kaum einen Latin Lover (Tequila, Pitu, Limetten- und Ananassaft). Dabei beschäftigen wir uns schon lange mit Cocktails, denn jeder Drink, der aus mindestens zwei Komponenten gemischt wird, gilt als Cocktail – man hat es uns einfach nicht gesagt.

Kein Mensch käme freilich auf die Idee, ein Panache oder einen Gespritzten als Cocktail zu bezeichnen. Die Zweikomponentendefinition bleibt also fragil. Mit drei Zutaten dürfte man besser fahren. Das Wort «Cocktail» taucht als Begriff für Mixgetränke erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den USA auf; darunter verstand man «ziemlich unabenteuerliche Mischungen aus Schnaps, Bittergetränken und Zucker», schreibt John Ayto. Über die Herkunft des Begriffs wundert sich Ayto, ein Spezialist im Sammeln von Wörtern und Bedeutungen: «Im 19. Jahrhundert verstand man unter‹cocktail› auch‹ein Pferd mit einem gestutzten Schwanz, der in die Luft abstand›.» Was der Drink mit dem Schwanz zu tun hat, bleibt im Obskuren.

Während der Aperitif geblieben ist, was er schon immer war – ein Appetitanreger -, hat es der Cocktail zum Selbstzweck geschafft, dem Cocktail-Empfang. Diese Art «Réception» dauert nicht länger als zwei Stunden und soll weiter nichts als Kontakte fördern und gesellschaftliche Barrieren senken – überwinden aber nicht; deshalb steht man beim Cocktail-Empfang, deshalb gibts bloss Fingerfood, deshalb verlässt man die Tränke, wie und wann man will, grusslos und ungezwungen: das einzig Französische am Cocktail.

Die ungeschriebene Regel, nach drei Drinks die Bühne zu räumen, unterstützt die Standfestigkeit. Doch leicht ist das nicht immer, vor allem in Kulturen, wo sich das gesellschaftliche Leben Tag für Tag im Club abspielt, lauert die Gefahr des übermässigen Trinkens – was auch von Vorteil sein kann, etwa in den Tropen. In seinem Buch «Burmese Days» lässt George Orwell einen einheimischen Diener die Vorzüge des alkoholischen Absturzes als Gleichung beschreiben: «At night, master too drunk to notice mosquitos; in the morning, mosquitos too drunk to notice master.»

Welche Drinks den Master ins Bett ohne Moskitonetz versenkt haben, und warum er sich in einen fiebrigen Schlaf gesoffen hat, erfahren wir nicht. Ein Manko, denn gute Gründe verlängern die Würde: vergessen oder verzweifeln, feiern oder verführen – da greift das richtige Getränk hilfreich ein. Deshalb noch ein Müsterchen aus dem reichen Erfahrungsschatz von Arrigo Cipriani («Harry’s Bar»): «Menschen, die etwas vergessen möchten, bestellen gewöhnlich einen Martini – vielleicht, weil er stark und trocken ist. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand seinen Kummer in Champagner ertränkt.» (imh)

Gespritzter Rotwein: Tinto de verano

Hiesigen Weinpuristen sollte man das Rezept erst verraten, nachdem sie es probiert haben: Rotwein mit Citro. Die Spanier sind diesbezüglich nicht zimperlich. Sie schütten ihre Gazeosa, eine weniger süsse Variante von Sprite und Co., auch ins Bier oder nehmen Orangina und sogar Cola. Das ist dann definitiv zu alcopoppig. Doch der Tinto de verano, der sommerliche Rotwein, ist eine waschechte Spezialität aus dem heissen Andalusien: herrlich frisch und gefährlich süffig. Man trinkt ihn zwischendurch, als Aperitif oder gleich karaffenweise zum Essen. Für einen Liter braucht es ca. eine halbe Flasche günstigen, aber guten Rioja (aus dem Kühlschrank!), dazu rund 4 dl kaltes Citro (Tipp: Das Budget-Citro der Migros ist nicht so süss), einige Spritzer Zitronensaft, viel Eis und als Garnitur einen Zitronenschnitz. (as)

Herrliche Frische: Fruchtcüpli

Eigentlich hat man ihn ja längst satt, den Champagner für Arme, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Apéros: Treffen sich irgendwo mehr als drei Leute, wird garantiert Prosecco gereicht, meist fad in Farbe und Geschmack. Doch mit einem simplen Trick entsteht daraus ein frischer Sommerdrink. Wir haben beispielsweise 500 g frische Erdbeeren genommen, diese kurz im Mixer püriert, in einen Krug gegeben und mit einer Flasche Prosecco aufgefüllt. Fertig. Man kann auch einzelne Gläser anrichten, das Getränk sieht ganz frisch am besten aus. Statt Erdbeeren kann man jede beliebige Frucht nehmen, reif und süss sollte sie sein, wobei man diesbezüglich auch mit etwas Zucker oder einem passenden Liqueur nachhelfen kann. (rcz)

Hemingway light: Mojito ohne Alkohol

Warum Alkohol trinken, wenn der Drink auch ohne (fast) so gut schmeckt wie mit? Nehmen wir es also in Kauf, dass Ernest Hemingway im Grab vielleicht den Kopf schütteln wird. Er, der einst vom beflügelnden, der Legende nach in Kuba erfundenen Sommergetränk Mojito geschwärmt hat. Doch: Die Ohne-Kater-, Für-Kinder-, Für-Schwangere- und Für-Arbeitstätige-Version des erfrischenden Drinks lohnt alleweil einen Versuch: 1 Limette achteln und mit einem Holzmörser (oder einer Holzkelle) im Longdrinkglas zerdrücken. 1–2 EL Rohzucker dazugeben, im Saft auflösen. Frische Minze ins Glas (am besten am Stiel), dann nach Belieben mit Crashed Ice und Mineralwasser auffüllen. (kat)

Zarte Versuchung: Kir de pêche

Eine Methode, um dem ordinären Prosecco einen Hauch von Happy Hour an einem Pariser Boulevard zu verleihen: Man giesst fingerhoch Crème de pêche de vigne ins Champagnerglas. Der Liqueur aus dem Burgund ist in seiner puren Form ein typischer «Weiberschnaps»: Dank seiner Süsse hat er etwas Harmloses, dabei lauern im Untergrund die Alkoholprozente, und die fahren schnell und verheerend ein. Dem Schaumwein verleiht das goldfarbene Getränk jedoch einen himmlischen Duft. Und fürs Auge kommt noch ein Pfirsichschnitz ins Glas. Pêche de vigne ist übrigens eine Pfirsichsorte, die im Weinberg wächst und fast so gross wird wie eine Melone. Die Frucht ist ungeniessbar, aber jemand hat mal gemerkt, dass man daraus tolle Schnäpse machen kann. Die Spezialität ist nicht überall erhältlich (u.a. bei Globus Delicatessa). Leichter zu finden, billiger und noch süsser (aber auch nicht schlecht) ist Pêche de verger – Pfirsich aus dem Obstgarten. (tr)

Tropischer Whiskey: Stengah

Die Klimaerwärmung bringt uns langsam, aber sicher tropische Verhältnisse. Da liegt es auf der Hand, dass man sich für die Erfahrungen jener interessiert, die als winterfeste Europäer in feuchtheissen Kolonien gelebt haben. In den Tropen verliert der Mensch ständig Flüssigkeit, die wieder aufgefüllt werden muss. Wer von zu Hause an Whiskey pur gewohnt war, konnte damit nur mit erheblichen Risiken seinen Wasserhaushalt managen. Verzicht wog noch schwerer. So entstand in British Malaya Stengah: Whiskey mit Soda auf Eis. Der Name stammt aus dem Malayischen und setzt sich zusammen aus «sa tengah», eine Hälfte. So geht auch das Rezept: Eine Hälfte schottischen Whiskey und eine Hälfte Sodawasser auf Eiswürfel in ein Longdrink-Glas geben. Fertig ist der Flüssigkeitsnachschub. (imh)

Exotisches Wasser: Cool Wolo Water

Wenn die Temperatur draussen steigt und steigt, taucht meine Lust auf Alkohol unter den Gefrierpunkt. Dann sind Drinks ohne Geist, dafür mit viel Fantasie angesagt. Etwa die Kreation «Cool Wolo Water». Wolo, der im normalen Leben ein schmuckes Café an der Zürcher Bahnhofstrasse führt, mutierte während der EM zu Mister Caipirinha und bot als Alternative zum brasilianischen Cocktail das «kühle Wasser» an. Sein Rezept: 8 cl Ananassaft mit 8 cl Bitter Lemon, 2 cl alkoholfreiem Blue Caraçao und 2 cl Limesaft mischen. Kräftig rühren (bitte nicht schütteln, sonst explodiert das Ganze ...) und in ein 3-dl-Glas geben. Mit Eis und Mineralwasser auffüllen und mit einer gedrehten Orangenscheibe dekorieren. Wunderbar erfrischend – auch für den Kopf am Tag danach. (rij)

Starker Zaubertrank: Vertpleine

Wer nach einer langen Arbeitsnacht tags darauf so beschwingten Schritts wieder seinen Dienst antritt wie kürzlich Jérôme Hintermann, Sommelier im Waldhotel Fletschhorn in Saas Fee, muss über einen Zaubertrank verfügen. Der junge Neuenburger nennt ihn Vertpleine, Vollgrün. Eine Hauptrolle spielt dabei Verveine citronée, die Zitronenverbena – nicht zu verwechseln mit dem Eisenkraut (Verbena officinalis). 2 dl frisch gepresster Orangensaft, 2 cl Pfefferminzsirup, Saft von 11?2 Limetten, 10 Blätter Verveine citronée, etwas Rohzucker und 2 cl Wodka. Säfte in den Shaker giessen, Eis dazugeben, Deckel darauf und kräftig schütteln. In ein hohes Glas giessen, die Verveine-Blätter dazugeben und mit einem Stäbchen oder Löffel ein bisschen zerquetschen. (imh)

Sommerlicher Kick: Sambucco bianco

Das lockende, aber wenig überraschende «verre de blanc» zum Apéro lässt sich mit Holundersirup zum Cocktail veredeln. «Wie der Holder blühte, so blühen auch die Reben, besagt eine Bündner Bauernregel – Weisswein und Holunder passen also bestens zusammen. Und damit die Verbindung nicht allzu harmonisch gerät, wird sie mit einem Schuss Wacholderbeeren und Kräutern, sprich Gin, aufgepeppt. Ein erster Schluck – und schon ist man weit weg, im sommerlichen Süden. Wenig Holundersirup in trockenem, gut gekühltem Schweizer Weisswein auflösen und einen Spritzer Gin dazugeben. Mit Zitronenscheibe, Eiswürfeln und eventuell einigen Himbeeren servieren. (az)

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