Soll man Burger mit Messer und Gabel essen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum stilvollen Dinieren im Restaurant.

An der Theke gekauft, nimmt man einen Burger in die Hand – aber im Restaurant? Foto: Pexels.com

An der Theke gekauft, nimmt man einen Burger in die Hand – aber im Restaurant? Foto: Pexels.com

Bettina Weber@sonntagszeitung

Wenn ich in normalen Restaurants einen Burger bestelle, wird mir immer häufiger ein richtiger Turm von 10 oder 12 cm Höhe serviert. Während der Verzehr eines Fast-Food-Burgers kein Problem ist, habe ich Schwierigkeiten, dieses Riesending korrekt zu essen. Die normale Handhabung kommt aufgrund der Höhe nicht infrage, also muss ich wohl oder übel zu Messer und Gabel greifen (und komme mir dabei etwas blöd vor). Aber jetzt: Wie schneide ich so ein Ungetüm zurecht? Meistens zerfällt der kunstvolle Turm in seine Einzelteile, sobald ich das Messer ansetze. Oder soll ich die einzelnen Teile von oben her nacheinander essen? Eine andere Version wäre, den Burger wie einen Kuchen in Viertel- oder Achtelteile zu schneiden, aber da macht wohl das Messer nicht wirklich mit. Die einfachste Lösung wäre, Bratwurst mit Rösti oder Steak mit Reis zu bestellen. Aber bevor ich resigniere, wollte ich zuerst Ihre Meinung dazu hören. K. S.

Lieber Herr S.,

Ihre Frage entzückt mich. Und es soll jetzt niemand kommen und mir die Laune verderben und die Problematik nichtig nennen, denn just damit haben sich auch schon Wissenschaftler beschäftigt. Konkret mit der Frage, wie man so einen Burger von Hand isst, ohne dass es eine allzu grosse, nun, Sauerei gibt. Die Ingenieure konnten nach minutiös durchgeführten Tests genau sagen, wo und mit wie viel Druck welche Finger anzubringen seien, damit möglichst viel Burger in den Mund gelangt und nicht daneben (es wird empfohlen, zwecks Aufwärmung Kieferübungen zu machen).

Aber Sie wollen ja mit Messer und Gabel ans Werk gehen, es geht hier um die Burger-mit-Besteck-verzehren-Etikette.

Vielleicht muss man da vielmehr beherzt herangehen, lossäbeln und hinnehmen, dass man grandios scheitern wird.

Ich forschte nach. Und fand: nichts. Also habe ich nachgedacht. Man könnte das Ding seitlich kippen (dann kommt es daher wie eine Art Spiessli). Man könnte sich von oben nach unten arbeiten (minimiert den Spassfaktor, weil sich die Zutaten im Mund nicht vermischen). Man könnte es, wie Sie in Erwägung ­ziehen, halbieren. Oder vierteln. Man könnte von allen Seiten ansetzen, sozusagen einen Zangenangriff starten, was aber vermutlich ebenfalls zu einer Statik-Misere führt.

Das dünkt mich alles nicht überzeugend. Aber vielleicht ist das gar nicht schlimm. Vielleicht muss man da vielmehr beherzt daran herangehen und einfach lossäbeln und hinnehmen, dass man jetzt grandios scheitern wird. Das Burger-Essen als eine Lektion in Demut, das ist doch auch was.

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an: gesellschaft@tagesanzeiger.ch

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