Schlorzifladen: Sonne an Silvester

Altbacken

Schlorzi – ein Gemisch mehrerer Zutaten – sieht so aus, wie es sich anhört, und schmeckt grossartig.

Mit seinen würzigen Noten und dem schweren Rahm passt er gut in die Weihnachtszeit. <nobr>Foto: Adrian Moser</nobr>

Mit seinen würzigen Noten und dem schweren Rahm passt er gut in die Weihnachtszeit. Foto: Adrian Moser

Nina Kobelt@Tamedia

Der Schlorzifladen ist keine Ausnahme, was traditionelle Rezepte angeht: Den besten macht natürlich die Grossmutter oder die Mutter. Den zweitbesten findet man in Stein SG, die Bäckerei Ziehler steht wie fast alle anderen Häuser an der Hauptstrasse, man kann sie nicht verfehlen.

Doch zuerst zur Begriffsbestimmung. «Flade» ist in der Ostschweiz die Bezeichnung für Kuchen. Und Schlorzi (oder «Geschlörz»)? Das sieht so aus, wie es sich anhört, und schmeckt grossartig: Das Wort bedeutet eigentlich, dass eine oder mehrere Zutaten gemischt oder gemixt worden sind. Gedörrte Birnen in unserem Fall.

Der Schlorzifladen – oder Bere- oder Doppelfladen – wird erstmals erwähnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, allerdings hiess er damals noch «Birn­fladen». Gemacht ist er schnell: Man nimmt Kuchenteig, gibt Schlorzi darauf (oder industriell hergestellte Birnweggenmasse) und einen Guss aus Rahm, der sich beim Backen golden verfärbt.

Früher wurden hierzu Milch und Mehl gemischt, das war billiger. So auch im Rezept der «Berefladechuchi», die diese beiden Zutaten mit Rahm und Quark ergänzen. Die Vereinigung von Hobby­köchen aus Lichtensteig SG hat vor allem in den 70er-Jahren viel dazu beigetragen, dass der Schlorzifladen nicht aus­­gestorben ist.

Nur die Birnen für die Schlorzi stammen aus einem anderen Kanton.

Philipp Ziehler, der schon für die Edelweiss Air Schlorzifladen gebacken hat, nimmt nur Rahm. Aus der Region, wie alles andere: Das Mehl bezieht er in Grabs, die Butter kommt aus Dietfurt und die Eier aus dem Toggenburg. Nur die Birnen für die Schlorzi (die es bei Ziehlers zu kaufen gibt) stammen aus einem anderen Kanton, dem Thurgau, von der Firma Oeler, die als eine der letzten im Land Obst in einem Holzofen dörrt. Und Ziehler ist einer der wenigen, der noch selber Schlorzi daraus macht, sie besteht bei ihm aus Dörrbirnen, Zucker und Gewürzen.

Wann isst man Schlorzifladen? Immer, sagen die Appenzeller und auch die Toggenburger. Besonders in der Hüslinacht, also an Silvester, schieben die Wattwiler und die Ebnater von weiter unten im Tal nach, dort hat Philipp Ziehler die Lehre gemacht, und dort kommt der Schlorzifladen Ende Jahr auf den Tisch. Mit seinen würzigen Noten und dem schweren Rahm passt er gut in die Weihnachtszeit. Und sieht erst noch aus wie eine Sonne in diesen kalten, finsteren Tagen.

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