Zmorge mit Paracelsus

Das ist der Gipfel: Frühstücken soll so schädlich sein wie das Rauchen.

Der Verzicht auf Müesli und Brot am Morgen habe seine Zuckerwerte in Ordnung gebracht, behauptet der Biochemiker Terence Kealey. Foto: Getty

Der Verzicht auf Müesli und Brot am Morgen habe seine Zuckerwerte in Ordnung gebracht, behauptet der Biochemiker Terence Kealey. Foto: Getty

Daniel Böniger@tagesanzeiger

Ich wünschte mir, der Mann hätte recht: In seinem Buch «Breakfast Is a Dangerous Meal» behauptet der britische Biochemiker Terence Kealey doch allen Ernstes, dass Frühstücken in etwa so gefährlich sei wie Rauchen. Als Beweis dient er sich gleich selber – dank Verzicht auf Butterbrot und Müesli am Tagesanfang habe er seine überhöhten Zuckerwerte unter Kontrolle gebracht.

Schön wärs, denke ich da als Vater. Wie oft enden die Diskussionen mit der Tochter morgens in lautem Streit. Wir Eltern wollen, dass sie doch immerhin ein halbes Konfibrot oder, bitte, bitte, wenigstens ein paar Löffel Joghurt zu sich nehme. Sie stellt auf stur und behauptet, sie habe keinen Hunger. Wäre das Zmorge tatsächlich ungesund, könnten wir auf all diese Dispute verzichten. Und würden wohl mit einem besseren Bauchgefühl in den Tag starten. Ob nun mit oder ohne Gipfeli.

Die Dosis macht das Gift

Bloss: Was Kealey behauptet, ist Unsinn. Es gibt, wie immer, auch hier Studien, die das Gegenteil sagen. Und Studien, die das Gegenteil des Gegenteils nahelegen, dürften in Arbeit sein.

Wie sollen wir es also mit dem Frühstück halten? Besinnen wir uns auf alte Werte: Schon Paracelsus wusste, dass die Dosis das Gift macht. Und so sind fünf eilig verschlungene Buttertoasts mit viel zu viel Konfitüre, dazu drei Spiegeleier und ein Liter Orangensaft (die Magensäure!) dem Befinden kaum zuträglich. Geschweige denn ein Frühstück, wie es im Herkunftsland des Biochemikers oft verzehrt wird: Würste, gegrillte Champignons, Bohnen in Tomatensauce, Eier . . . Das mag sinnvoll gewesen sein – damals, als man körperlich noch hart arbeiten musste.Wer auf seinen Körper hört, der spürt, ob er als Start in den Tag nur einen Milchkaffee benötigt. Oder eine halbe Grapefruit. Dass wir dieses Sensorium nicht verlieren, ist das Wichtigste. Und dies dürfte auch für meine Tochter gelten. Spätestens in der 10-Uhr-Pause isst sie einen Apfel. Einfach, weil sie Hunger hat.

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