Wie Martin Luther das Bier reformierte

Hefe, Malz, Wasser und? Hopfen! Doch der war nicht immer fester Bestandteil von Bier.

Vom Biertrinker zur Marke: Karton der deutschen Brauerei Lutherbier.

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Hopfengestopft ist so ein Wort, das man seit ein paar Jahren öfter hört. Denn das Indian Pale Ale, IPA, diese Biersorte mit höherem Alkoholgehalt und mehr Hopfen, viel mehr Hopfen, ist en vogue. Ja, alle brauen jetzt IPA, und alle trinken IPA; bei einzelnen Hopfensorten gibt es darum Engpässe.

Das war nicht immer so. Dass der Hopfen im Bierbrauen einen zentralen Stellenwert besitzt, daran ist auch Martin Luther schuld. Der Reformator trug 1517 nicht nur dazu bei, dass sich Theologie und Kirche, Kunst und Wirtschaft veränderten, sondern indirekt eben auch die Braukunst.

Wer brauen wollte, musste bezahlen

Die Rolle des Biers war eine andere vor 500 Jahren – mehr Nahrungs- als Genussmittel. Wasser war als Durstlöscher selten sauber genug, zudem lieferte Bier günstige Kalorien. Auch gebraut wurde das Getränk anders als heute. Zum Haltbarmachen und Würzen setzten die Brauer nämlich oftmals nicht Hopfen, sondern sogenanntes Gruit ein. Diese Kräutermischung war in ihrer Zusammensetzung je nach Region verschieden. Meist beinhaltete sie Schafgarbe, Heidekraut, Rosmarin, Thymian, Lorbeer, Anis, Wacholder und Koriander.

Das Brauen mit Gruit war jedoch mit Steuern verbunden. Ab dem 9. Jahrhundert hatten vielerorts Städte, vor allem aber Klöster und Bischofssitze das Monopol auf die Kräutermischung. Wer also Bier herstellen wollte, musste sich das Nutzungsrecht für Gruit erkaufen. Der Kirche spülte diese Form der Biersteuer beträchtliche Einnahmen in die Kasse.

Andernorts war der Hopfen längst dabei, sich in der Braukultur auszubreiten. In Polen, dem Baltikum und Russland war er bereits ab dem 13. Jahrhundert wichtigster Würzstoff im Bier. In den Niederlanden löste er Gruit im 14. Jahrhundert ab. Lebensmittelhistoriker führen die Entwicklung auf eine Reihe von Gründen zurück: die beruhigende Wirkung des Hopfens, die konservierende Eigenschaft des Gewächses. Biere, die mit Hopfen gebraut wurden, waren noch länger haltbar als Gruitbiere. Das Getränk wurde somit zum Exportgut.

Protest gegen Exzesse der Kirche

Dass Gruit am Ende fast ganz aus der Braukunst verschwand, daran war aber auch Martin Luther und die Reformation mitbeteiligt. Nachdem Luther seine Thesen veröffentlicht hatte, wurde das Brauen mit Hopfen zu einem religionspolitischen Entscheid, schreiben die Autoren der «Geschichte Europas in 24 Bieren». Denn die Brauer verweigerten der katholische Kirche die Steuern, in dem sie mit Hopfen brauten.

Die Reformation hatte weitere Einflüsse, weiss William Bortwick, Verfasser von «The Brewer’s Tale – A History of the World According to Beer»: Den Gruit-Mischungen habe man halluzinogene und aphrodisierende Wirkungen nachgesagt. «Also begannen Protestanten, aus Protest gegen die Exzesse der katholischen Kirche gehopftes Bier zu trinken», so Borstwick gegenüber «National Public Radio». «Die katholische Kirche wiederum mochte Hopfen nicht.» Das Gewächs habe als Melancholie fördernd und die Eingeweide erschwerend gegolten. «Wenn Sie ein protestantischer Brauer waren und der katholischen Kirche die lange Nase zeigen wollten, begannen Sie also, extra mit Hopfen zu brauen.»

«Ein sehr gutes Bier daheim»

Und Martin Luther selber? Der äusserte sich in Predigten und Brief immer wieder zum Bier. Mal warnte er vor Trunksucht, mal schwärmte er von Bieren, die er in anderen Städten getrunken hatte, mal sehnte er sich nach dem eigenen Gebräu. Ja, Luther hatte 1532 als Bürger von Wittenberg auch das Braurecht erhalten. Ab da braute seine Frau Katharina von Bora, eine frühere Nonne, im Hause Luther. Und was sie produzierte, mochte der Reformator offenbar. «Gestern musste ich daran denken, dass ich ein sehr gutes Bier daheim habe», schrieb er einmal seiner Gattin, «und dazu eine schöne Frau.» Prost, Martin Luther! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2017, 11:43 Uhr

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