Hintergrund

Briten verschmähen Jamie Olivers Hausmannskost

Die meisten der Union-Jack-Pubs des britischen TV-Kochs laufen schlecht und werden geschlossen. Was dabei schief gelaufen ist.

Hat mit Büchern und Küchenartikeln mehr Erfolg als mit seinen Pubs: Der britische TV-Koch Jamie Oliver.

Hat mit Büchern und Küchenartikeln mehr Erfolg als mit seinen Pubs: Der britische TV-Koch Jamie Oliver. Bild: Jörg Carstensen (Epa, Keystone)

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Der prominente britische TV-Chefkoch Jamie Oliver ist beim Publikum mit dem bewusst altmodischen Insel-Essen in seinen Union-Jack-Pubs aufgelaufen. Drei der vier nostalgischen Pub-Restaurants, die Oliver in London und in Winchester eingerichtet hatte, werden mit sofortiger Wirkung wieder geschlossen. Das hat jetzt Olivers Restaurant-Konglomerat bekannt gegeben. Nur eine der Union-Jack-Imbissstuben wird weiterbetrieben – und zwar diejenige an der Piazza von Covent Garden, wo sich Touristen aus aller Welt tummeln, die offenbar Gefallen an dem speziellen «britischen» Angebot gefunden haben.

Diesen Gästen werden weiterhin Gerichte wie Fish and Chips mit zermanschten Erbsen oder Pork Belly mit Bratwurst und Kartoffelbrei geboten. Knapp 15 Pfund (18 Euro oder 22.50 Franken) zahlt man für ein Hauptgericht dieser «stolzen britischen Geschmacksrichtung». Mit dem gleichen Angebot war in typisch britischen Stadtteilen wie Chiswick oder Holborn oder in der Stadt Winchester in Hampshire aber offenbar niemand hinterm Ofen vorzulocken. Zu Zeiten, in denen Sparen angesagt ist, sind die Londoner offensichtlich nicht geneigt, viel Geld für simple Traditionsküche auszugeben, auch wenn sich der Name Jamie Oliver damit verbindet.

Restaurants mit Italo-Flair florieren

Die gleichen Gerichte erhält man in den verbliebenen kleinen Arbeitercafés britischer Städte noch immer für wenige Pfund – wenn auch ohne feines Tischtuch und ohne das Siegel sowie den speziellen «stolzen Geschmack» der Oliver-Kette. «Nach eingehender Prüfung» sei man zum Schluss gekommen, dass die Retro-Pubs «im gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Klima» nicht weiter zu betreiben seien, erklärte ein Sprecher Olivers.

Für Olivers nationale und internationale Unternehmungen bedeutet der Abbruch des gescheiterten Experiments allerdings keine sonderliche Einbusse. Der Londoner Tageszeitung «The Guardian» zufolge erwartet der Konzern des einflussreichen Fernsehkochs, Buchautors und vielfachen Millionärs «solide Ergebnisse» für dieses Jahr. Im In- wie im Ausland sollen mehrere neue Restaurants eröffnet werden. Das «Trattoria-Modell» zum Beispiel, das sich bereits in Londons grossbürgerlichem Stadtteil Richmond bewährt hat, soll auch anderswo britische Gaumen verwöhnen, die nicht an Pork Belly, zermanschten Erbsen oder klebrigem Toffee-Pudding interessiert sind.

Bisher unterhält Oliver schon mehr als 30 italienische Restaurants. Diese Version der Oliver-Küche, Jamie's Italian, soll jetzt noch weiter ausgebaut werden – mit Restaurants unter anderem in der nordenglischen Stadt Newcastle, aber auch in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.01.2014, 14:34 Uhr

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