Der grosse Schweizer Raclettekäse-Test

Wir haben neun Sorten verkostet. Welcher überzeugte und wo wir die Nase rümpfen.

Schmelzkäse mit Chili, Zitronenthymian, Pfeffer, Speck, Knoblauch oder Trüffel: Käseproduktion in Laupen.

Schmelzkäse mit Chili, Zitronenthymian, Pfeffer, Speck, Knoblauch oder Trüffel: Käseproduktion in Laupen. Bild: Michael Schneeberger

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Sättigend und rasch angerichtet, ist Raclette das perfekte Wintergericht. Insbesondere zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn man nicht wirklich kochen mag. Wir wollten wissen, welche populären Sorten der Detailhändler den Kauf lohnen. Dafür verkosteten wir neun verschiedene (Eigen-) marken.

Die Schweizer Spezialität, die ursprünglich aus dem Wallis stammt, gibt es mittlerweile in diversen Variationen: Es gibt geräucherten oder gewürzten Schmelzkäse mit Chili, Zitronenthymian, Pfeffer, Speck, Knoblauch oder Trüffel. Auch Ziegenoder Blauschimmelkäse gehören zur Familie sowie eine neue Sorte namens Trifolait aus Kuh-, Schafund Ziegenmilch. Für den Vergleich konzentrierten wir uns auf «Classic»- Raclette aus pasteurisiertem Halbhartkäse von der Kuh. Bequem, wie wir sind, wählten wir vorgeschnittene Scheiben. Damit nichts vom Eigengeschmack ablenkte, würzten wir nicht nach, gönnten uns aber dazu einen Fendant der Walliser Winzerin Marie-Thérèse Chappaz. Er ist als Begleitung sehr zu empfehlen.

Fazit der blinden Verkostung: Knapp die Hälfte bleibt, was den Geschmack angeht, in einem aromatisch zurückhaltenden Bereich ohne Ausgewogenheit und Würze. Denn viele Sorten aus dem Supermarkt dürfen weder mehrere Monate reifen, noch stammen sie aus Milch von Alpweiden. Dementsprechend wenig Aroma entwickelt der Käse. Es erstaunt deshalb nicht, dass jene Scheiben, die laut Packungsangabe ein paar Wochen reifen durften, beim Test tendenziell besser abgeschnitten haben. Sie kosten dafür halt meist etwas mehr.

Emmi Kaltbach RacletteManor oder Coop, 7.95 Fr. (300g)

Dieser Kandidat duftet intensiv und würzig, was sich auch im Gaumen bestätigt. Von allen getesteten Sorten ist diese die rezenteste. Man schmeckt, dass sie sechs Monate Zeit hatte, um in den Kaltbacher Höhlen (LU) zu reifen. Weitere Pluspunkte: Die Käsemasse entwickelt schnell ein schönes Schäumchen, und die Konsistenz ist angenehm «chrosig». Dieses Raclette würden wir Gästen sofort servieren.

Bewertung:

5von6

Fromani Raclette SuisseLidl, 5.79 Fr. (400g)

Was sofort auffällt: Diese Scheiben riechen nach gar nichts. Ob das ein Zauberkäse ist, der dafür sorgt, dass die Wohnung nicht nach Raclette stinkt und trotzdem schmeckt? Leider werden die Hoffnungen zerstört. Beim Essen dominiert ein zu fettiges, eindimensionales Aroma; die Konsistenz ist gummig und wird auf dem Teller sofort hart. Niedriger Preis, mangelhaftes Aroma: Das trifft hier zu.

Bewertung:

2von6

Swiss Made RacletteAlnatura, 5.90 Fr. (200 g)

Dieses Bio-Raclette wird von einem auffallend rahmigen Geschmack geprägt. Es ist das teuerste des Tests und wird im Kanton Schwyz hergestellt. Seine Sämigkeit ist zwar vorbildlich, aber etwas charakterlos – mehr Salz könnte nicht schaden. Angesichts des hohen Preises hätten wir bei diesem Produkt mehr erwartet. Positiv: Das Raclette ist nicht zu zäh und bildet ein schönes Schäumchen.

Bewertung:

5von6

Raclette StrählDenner, 5.75 Fr. (300 g)

So schmeckt Durchschnitt: Dieser Surchoix-Käse riecht zuerst angenehm zurückhaltend, leicht würzig und cremig. Mehr passiert danach leider nicht mehr: Das Raclette schmeckt austauschbar und nicht ausgewogen – etwas zu salzig. In der Konsistenz ist er wie viele andere Sorten zu gummig. Dass er laut Packung fünf Monate reifen durfte, schmeckt man leider nicht.

Bewertung:

4von6

Raclette NatureGlobus Delicatessa, 6.90 Fr. (250 g)

Das ist sie, die grosse Raclette-Liebe: Ausgewogen, würzig, herzhaft, weder zu räs noch zu sanft. Das Aroma hallt lange nach. Umami nennen es die Japaner – ein perfekt ausgewogener Geschmack, der durch Salze der Glutaminsäure hervorgerufen wird. Die Käsemasse ist weichschmelzend, und das Fett trennt sich relativ schnell. Dieses Raclette – das zweitteuerste – ist seinen Preis wert.

Bewertung:

6von6

Raclette TraditionCoop, 9.95 Fr. (440g)

Dieser Käse duftet eher zurückhaltend und leicht säuerlich. Geschmolzen schmeckt er besser als erwartet: nicht allzu würzig, aber vollmundig und cremig – genau so, wie ein mildes Raclette schmecken muss. Dieser Kandidat mit einer Reifezeit von drei bis vier Monaten gehört von jenen mit mildem Aroma zu unseren Favoriten. Auch preislich kann er sich durchaus sehen lassen.

Bewertung:

5von6

Raclette Mazotbei Manor und Coop, 10.40 Fr. (400 g)

Die Freiburger, eigentlich auf Fondue spezialisiert, können auch anständiges Raclette machen. Das beweist das elf Wochen gelagerte Raclette Mazot von Cremo. Es schmeckt würzig und etwas nach Rauch, als sei es auf dem Feuer zubereitet worden. Das gefällt. Auch beim Reinbeissen macht der Käse Freude: Er ist angenehm weich und zieht lange Fäden.

Bewertung:

5von6

Duo’r RacletteAldi, 5.75 Fr. (400g)

Nicht alles, was günstig ist, ist schlecht, denkt man. Das trifft bei diesem Test nicht zu: Der billigste Raclette-Käse hat zusammen mit dem zweitgünstigsten von Lidl am wenigsten überzeugt. In der Nase macht er zuerst Spass, riecht milchig-würzig; das Schäumchen ist anmächelig. Auf dem Teller kämpft man mit einem gummigen, künstlich wirkenden, neutral schmeckenden Käseklumpen.

Bewertung:

2von6

Raccard TraditionMigros, 8.95 Fr. (400 g)

Die luftige Käsemasse und die zarte Kruste dieses Kandidaten machen sofort Lust, reinzubeissen. Hat man den Käse mal im Mund, vergeht sie einem: Er fühlt sich wie eine kaugummiartige Masse an. Geschmacklich bleibt zu wenig hängen, es fehlt die nötige Cremigkeit und Würze. Fazit: ein Durchschnittskandidat mit neutralem Aroma, der sich nicht von der Konkurrenz abhebt.

Bewertung:

3von6 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.12.2017, 18:34 Uhr

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