Analyse

Die Falschen belohnt

GA-Besitzer, die weite Strecken fahren, profitieren von Prämien. Das ist sehr fragwürdig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die SBB rufen ihre Kunden neuerdings zum «Kilometersammeln» auf. Wer ein Halbtax- oder Generalabonnement hat, kann sich mit einer Handy-App namens «Mobil-Bonus» einloggen und seine Zugfahrten aufzeichnen lassen. Das GPS machts möglich. Wer die App eifrig nutzt und viel fährt, «wird mit tollen Angeboten belohnt». Nach 500 Kilometern gibts einen 5-Franken-Gutschein der SBB, nach 1000 Kilometern einen 15-Franken-Bon des Internetladens Le Shop. Weitere attraktive Prämien sollen folgen.

Ob man zu Randzeiten oder während Stosszeiten in überfüllten Zügen fährt, ist egal. Auch GA-Besitzer können unbeschränkt profitieren. Je häufiger und je weiter sie fahren, desto besser für sie. Das freut die Weitstreckenpendler: Wer täglich von Zürich nach Bern fährt, hat schon nach einer Woche zwei 5-Franken-Gutscheine zugute, wie die «NZZ am Sonntag» berechnet hat.

Am stärksten belohnt werden also ausgerechnet die Vielfahrer, die ihre Kosten am wenigsten tragen und am meisten zu verstopften Zügen beitragen. Dies, obwohl der Bundesrat darüber nachdenkt, sie über ein Mobility Pricing stärker zu belasten und so einen Anreiz zu schaffen, damit sie weniger weit pendeln. Auch die SBB haben immer wieder auf die tiefe Rentabilität der Weitstreckenpendler hingewiesen.

Trotzdem fahren diese – unter Abzug der Gutscheine – nun gar billiger als GA-Besitzer, die ihr Abo zurückhaltend einsetzen. Dies ist, wie wenn Coop ab der 50. Weinflasche alle weiteren im selben Jahr nicht nur gratis gäbe, sondern mit dem Bezug jeder 10. Gratisflasche noch einen Gutschein mitliefern würde.

Fragwürdig ist auch, wenn die SBB ihren Kunden einreden, Bahnfahren schone die Umwelt. Etwa indem die Mobil-Bonus-App ausrechnet, «wie viel CO2 Sie dank dem Zugfahren einsparen». Das stimmt nur im Vergleich zur Autofahrt. Auch Bahnfahren braucht aber Energie und belastet die Umwelt. Wer wirklich umweltfreundlich sein will, wohnt in der Nähe des Arbeitsorts und nimmt das Velo oder geht zu Fuss.

Möglicherweise geht es den SBB aber weniger ums Belohnen treuer Kunden, als ums Sammeln von Daten – auch wenn sie dies verneinen. Umso dümmer, wenn plötzlich ein Schlaumeier auf die Idee kommt, mit alten Handys herumzufahren, auf denen seine Kollegen eingeloggt sind. Dann stimmen die Daten nicht. Dafür sind pro Gutschein weniger Züge verstopft.

Erstellt: 16.09.2013, 17:47 Uhr

Artikel zum Thema

GA wird Generalabo zweiter Klasse

Der Verband öffentlicher Verkehr plant ein «GA normal» und ein «GA plus». Wer ein Generalabo mit den heutigen Möglichkeiten will, zahlt viel mehr. Zum aktuellen Preis gibt's ein eingeschränktes Angebot. Mehr...

Was das GA in Zukunft noch zu bieten hat

Politiker fordern schon länger, dass SBB-Kunden stärker an den Kosten beteiligt werden. Die angekündigte ÖV-Karte würde ein flexibleres Angebot erlauben. Zur Diskussion steht unter anderem ein Pendler-GA. Mehr...

10'000 Franken für ein GA

Hintergrund Wer Bahn fährt, soll die vollen Kosten dafür tragen: Solche Pläne wälzt der Bund. Ein Generalabonnement könnte damit künftig doppelt so viel kosten wie heute. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Kunstsprung: Ein Dompteur springt auf der Krim ins Wasser, während zwei Elefanten eines lokalen Zirkusses ein Bad im Meer nehmen. (20.August 2018)
(Bild: Pavel Rebrov) Mehr...