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Kultur in Zeiten von CoronaLeben im leeren Museum

Wie geht Karaoke in Zeiten von Corona? Im Museum für Kommunikation finden seit dieser Woche täglich virtuelle Kurzführungen statt.

Xymna Engel
Das Museum für Kommunikation in Bern bietet derzeit Führungen per Livestream an.
Das Museum für Kommunikation in Bern bietet derzeit Führungen per Livestream an.
zvg

«Wir müssen reden», steht auf dem T-Shirt von Laszlo, dem Mann, der uns heute durch das Museum für Kommunikation (MFK) führt. Natürlich sind wir nicht wirklich dort, sondern in Zeiten von Corona zu Hause vor unseren Computern. Etwa 50 Leute haben sich auf Facebook um 13.30 Uhr eingeloggt für die zweite, täglich stattfindende Kurzführung durch das Museum. Während des ersten «Testbetriebs» am Tag zuvor gab es ein paar Schwierigkeiten mit dem Ton, deshalb hat Monika, die Community-Managerin, heute ein Megafon dabei. Damit übermittelt sie Laszlo live die Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Megafon ist aber bei weitem nicht das Lauteste an dieser kurzen, erheiternden Führung.

Heute geht es um das aktuell drängende Thema «Kommunikationsformen auf Distanz». Laszlo, der im MFK als sogenannter Kommunikator tätig ist, läuft durch das leere Museum zu zwei kleinen, ovalen Gerätchen. Mithilfe von Lovegety, so der Name des Produkts, fanden in den 90ern in Japan einsame Herzen zusammen – obwohl sie sich bis zu fünf Meter voneinander entfernt aufhielten. War das Gerät im ersten Modus, konnten die Interessenten miteinander chatten, auf Stufe zwei ging es dann richtig zur Sache: Sie konnten gemeinsam Karaoke singen.

«Welche Ideen habt ihr für nicht digitale Kommunikation?», fragt Laszlo immer wieder in die virtuelle Runde. Teilnehmerin Anja erinnert sich im Live-Chat an das Dosen-Schnur-Telefon, Stephanie hat mal ihr Babyfon als Kommunikationsmittel benutzt – wenn auch unabsichtlich. Zwischendurch wird die Kamera wieder geradegeruckelt, und dann, im ersten Untergeschoss, wird es richtig laut: Laszlo betätigt das Posthorn.

Das Angebot des MFK ist keine ausgeklügelte Führung mit hoch technisierten digitalen Features. Geboten wird eine etwas improvisierte, dafür umso sympathischere Gelegenheit, mit den Menschen über das zu reden, was sie zurzeit am meisten beschäftigt. Und gleichzeitig etwas davon abzulenken