Tabubruch mit Eleganz

Mit dem Panamera Sport Turismo lanciert Porsche sein erstes Kombimodell. Und treibt damit das Konzept des Lifestyle-Lastenträgers in jeder Hinsicht auf die Spitze.

Schärfer gezeichnete Dachlinie und muskulöseres Heck: Der Sport Turismo ist der hübschere der beiden Panameras. Fotos PD

Schärfer gezeichnete Dachlinie und muskulöseres Heck: Der Sport Turismo ist der hübschere der beiden Panameras. Fotos PD

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Manchmal ist der Grat zwischen Entzücken und Entgeisterung ein ganz schmaler. Kleine Rückblende, Herbst 2012 in Paris: Die einen waren ganz hin, aber viele wollten nur weg, als am Mondial de l'Automobile das Tuch von dieser seltsamen Porsche-Studie gezogen wurde. Von vorn unverkennbar ein Panamera, aber was bitte sollte dieses Kombi-Heck? Schlimm genug, dass ein Porsche vier Türen haben darf – aber eine grosse Heckklappe? Um womöglich ein paar Säcke Sand für den Garten oder einen Kubikmeter Kaminholz vom Do-it-yourself nach Hause zu kutschieren? Wieso machen die das?

Was bitte sollte dieses Kombi-Heck? – Hinten an der Dachkante trägt der Sport Turismo einen verstellbaren Spoiler.

Schneller Vorlauf ins Jahr 2017. Ab November steht das einstige Concept Car tatsächlich als Serienmodell bei den Händlern. Bloss die Frage des «Was soll das?» hat sich damit noch längst nicht erledigt. Panamera-Baureihenleiter Gernot Döllner geht gleich in die Offensive, noch bevor überhaupt die Sinnfrage gestellt werden kann: «Wir hatten auf die Studie enorm positives Feedback!» Und weil ja gebaut wird, was der Markt verlangt, gebe es nun eben auch einen Kombi-Panamera. Den niemand bei Porsche jemals so nennen würde – Sport Turismo heisst er, was deutlich verheissungsvoller tönt. «Dieser Schritt war für uns nicht mehr so gross, nachdem wir schon zwei SUV im Programm haben. Der Cayenne markierte einen viel deutlicheren Einschnitt», sagt Döllner. Zudem brechen sich die Tabus leichter, wenn die Konkurrenz mit XXL-SUVs oder fünftürigen Crossover-Coupés auch die ihren längst gebrochen hat, weil es der Kunde wollte.

Elegante Kombis sind im Kommen

Überhaupt zählt nicht die Kapazität des Kofferraums; eher eines der Kaufkriterien bei profaneren Kombis. Es sind die im Vergleich zur Limousinen-Version schärfer gezeichnete Dachlinie, das muskulösere Heck und die insgesamt kräftigere Erscheinung, die den Sport Turismo zum spezielleren und hübscheren der beiden Panameras machen. Der Zuwachs des Ladevolumens beträgt dagegen lediglich 20 bzw. 50 Liter bei umgelegten Rücksitzen. Kein allein tragfähiges Argument, um in der Basisversion 3500 Franken Aufpreis gegenüber dem Viertürer zu verlangen. Immerhin wurde die Ladekante um sechs Zentimeter abgesenkt.

Mindestens 119'200 Franken müssen für so viel Luxus auf den Tisch gelegt werden.

Innen gehts luftig weiter: Die Kopffreiheit hinten wurde dank der gerade nach hinten gezogenen Dachlinie erweitert, und die beiden Hinterbänkler können neu einen Dritten mitnehmen, auch wenn dieser bloss den knapp bemessenen Mittelsitz besteigen darf. «4+1» nennt das Döllner; vier vollwertige und ein Notsitz. Auf letztem möchte man aber auf längeren Strecken oder ab Körperlängen von über 1,60 Metern nicht freiwillig hocken, zumal der massive Mitteltunnel nur bedingt bequemes Sitzen erlaubt. Für Kinder geht es aber allemal.

Porsche befeuert den Sport Turismo mit nahezu denselben Motoren, die es auch für den normalen Panamera gibt. Die Bandbreite der turbobeatmeten Benziner reicht dabei vom 330 PS starken V6 bis zum 550 PS starken V8; dazu ein ebenfalls achtzylindriger Turbodiesel mit 422 PS. Der Basis-V6 mit Hinterradantrieb fehlt allerdings ebenso in der Liste wie – noch – der 680 PS starke Turbo SE Hybrid. Doch so imposant Spitzengeschwindigkeiten jenseits von 300 km/h auch sein mögen, die darüber hinaus den Sport Turismo zum schnellsten Serienkombi der Welt machen: im Mittel aus Leistung und preislicher Positionierung steht der 4 E-Hybrid.

Der Hybridantrieb sticht heraus

Bei einer Systemleistung von 462 PS und einem Spitzentempo von 275 km/h fehlt es ihm nicht an Fahrdynamik. Ein 330 PS starker V6-Benziner und eine E-Maschine mit 136 PS liefern gemeinsam bis zu 700 Newtonmeter an Hinter- und Vorderachse und absolvieren, das optionale Sport-Chrono-Paket vorausgesetzt, den Ampelstart in exakt 4,6 Sekunden. Aber seine rein elektrische Reichweite von 51 Kilometern und die Fähigkeit zur Rekuperation zögern den Tankstellenbesuch ein wenig hinaus, auch wenn die Werksverbrauchsangabe von 2,5 l/100 km nur auf dem Papier gilt. Allerdings bringen Hochspannungselektrik und Lithium-Ionen-Batterie rund 310 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem leichtesten Sport Turismo mit 1880 Kilogramm Gewicht ins Auto und nehmen ihm 95 Liter Ladevolumen. Preislich beträgt der Unterschied zur mindestens 119'200 Franken teuren Basisversion 17'800 Franken, die für den Teilzeitstromer zugezahlt werden müssen.

Neu können hinten drei Personen sitzen.

Dass alle Sport Turismo mit Allradantrieb ausgestattet sind, beruhigt; und das ausgewogen abgestimmte Fahrwerk sorgt zusammen mit der Hinterachslenkung und der fein regulierenden Luftfederung für ein präzises und sicheres Fahrgefühl.

Aber hat der Markt nun wirklich auf einen Panamera mit grösserem Kofferraum gewartet? Hinten an der Dachkante trägt der Sport Turismo einen verstellbaren Spoiler, der flach den Verbrauch senkt und aufgestellt Verwirbelungen vom offenen Schiebedach abhält. Leicht angewinkelt, bringt er 50 Kilogramm mehr Abtrieb auf die Hinterachse und verbessert so die Traktion. Ohne Kombiheck wäre er nicht möglich. Vielleicht war das Plus beim Ladevolumen ja nur ein netter Nebeneffekt.

Markus Cavelti fuhr den neuen Porsche Panamera Sport Turismo am 19. Juli auf Einladung von Porsche Schweiz in Kanada. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2017, 13:23 Uhr

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Porsche Panamera Sport Turismo

Modell: Luxus-Kombi mit 5 Türen und 4 + 1 Sitzplätzen.
Masse: Länge 5049 mm, Breite 1937 mm, Höhe 1428 mm, Radstand 2950 mm.
Kofferraum: 520 bis 1390 Liter.
Motoren: V6- und V8-Turbobenziner von 330 PS (243 kW) bis 550 PS (404 kW), V8-Turbodiesel mit 422 PS (310 kW), E-Hybrid mit 466 PS (340 kW) Systemleistung.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h von 3,8 bis 5,5 Sekunden.
Höchstgeschwindigkeit: 259 bis 304 km/h.
Verbrauch: 2,5 bis 9,5 Liter auf 100 Kilometer.
CO2-Ausstoss: 59 bis 217 Gramm pro Kilometer.
Markteinführung: November 2017.
Preis: ab 119 200 Franken.
Infos: www.porsche.ch

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