Zum Hauptinhalt springen

Das rockt den Porsche

Druckvoller Sound und viel Kurvenfreude – das GTS-Paket macht die 718er-Modelle Cayman und Boxster zu alltagstauglichen Sportlern.

Das neue Topmodell des Porsche 718 Cayman ist mit dem Kürzel GTS für Gran Turismo Sport gekennzeichnet und leistet 365 PS. Fotos: PD
Das neue Topmodell des Porsche 718 Cayman ist mit dem Kürzel GTS für Gran Turismo Sport gekennzeichnet und leistet 365 PS. Fotos: PD

GTS. Ein Evergreen. Musik in den Ohren von Porsche-Enthusiasten. Es klingt nach dem klassischen Rock der 60er-Jahre, als mit dem 904 GTS Rennsporttechnologie auf die Strasse kam. Erinnert an die 80er- und 90er-Punks 924 und 928 mit dem entsprechenden Kürzel. Feierte 2007 beim Cayenne und 2010 beim 911 Carrera sein Revival, gehört inzwischen bei allen Baureihen zum guten Ton und passt hervorragend zu Songs wie «Paint It Black», weil sämtlicher Chromzierrat, die Felgen und Auspuffendrohre jeweils in Schwarz glänzen, ja sogar die Rückleuchten abgedunkelt sind. Um den Reiz der GTS-Modelle im O-Ton des Herstellers wiederzugeben: «Gesteigerte Performance, sportlicher Klang, markantes Design.» Selbstredend, dass die klangvolle Buchstabenkombination auch bei den Mittelmotorsportlern Cayman und Boxster – seit der letztjährigen Modellpflege und damit einhergehenden Umstellung von 6- auf 4-Zylinder-Boxer mit der Zahl 718 gekennzeichnet – nicht fehlen darf.

Das Modell von hinten.
Das Modell von hinten.

Oder handelt es sich diesmal um viel Lärm um nichts? 365 PS sind 35 PS mehr, als die GTS-Modelle vor der Überarbeitung leisteten, der Vorsprung gegenüber aktuellen S-Modellen beträgt aber nur 15 PS, womit sich der 0-auf-100-Sprintwert um gerade mal 0,1 auf 4,1 Sekunden reduziert. Mit manuellem Getriebe fahren die GTS-Modelle den PDK geschalteten S-Modellen sogar um bis zu 0,4 Sekunden hinterher. Und dann der ultimative Dämpfer, den man sich mit dem Geräusch einer abrupt von der Schallplatte gerissenen Nadel vorstelle: Es bleibt beim 2,5-Liter-4-Zylinder. Die Mehrleistung ist lediglich einem neu entwickelten Ansaugtrakt und optimierten Turbo­lader mit variabler Turbinengeometrie und erhöhtem Ladedruck zu verdanken. Wer dachte, Porsche würde wenigstens bei den GTS-Modellen der 718er-Reihe eine 6-Zylinder-Ausnahme machen, wird enttäuscht.

Boxer macht viel Musik

Stille, also. Nur das dumpfe Rumsen, als die Fahrertür zufällt. Das metallische Klicken beim Einrasten des Gurtschlosses. Das elektrische Surren bei der Positionierung des Sportsitzes. Fast scheint es, als würde der GTS-typisch grosszügige Einsatz des Mikrofaserstoffs Alcantara alle übrigen Geräusche schlucken, und von draussen dringt sowieso kaum ein Laut in den für die Rennstreckenfahrt gewählten, geschlossenen Cayman. Die linke Hand fasst an den Zündschlüssel. Dreht ihn nach rechts. Und da setzt auch die Musik wieder ein – lauter, bombastischer als von dem Zylinder-Quartett gewohnt. Je grösser die Besetzung, desto druckvoller der Sound? Eine Technikfrage. Siehe Metallica versus Kastelruther Spatzen.

Den Boxer zu starten, heisst Play zu drücken. Die auf dem kleinen GT-Volant platzierte Mode-Bedieneinheit in Sport- oder gar Sport-Plus-Stellung zu bringen, bedeutet aufzudrehen. Die Abgasklappen öffnen sich, der Motor spricht direkter an, das PDK dreht die Gänge länger aus, schaltet früher zurück und sorgt für akustisch wirksame Zwischengasstösse. Sämtliche Parameter sind auf «Fast Forward» geschaltet, wobei das maximale Drehmoment von 430 Nm (beim Handschalter 420 Nm) zwischen 1900 und 5000 Umdrehungen anliegt und damit deutlich früher zur Verfügung steht als beim 6-Zylinder-Vorgänger.

Kurzer Prozess mit Kurven

Die Kurvenfreude des Cayman ist ohnehin legendär. Das adaptive Dämpfersystem verbessert die Bodenhaftung zusätzlich; hinzu kommt ein Torque-Vectoring-System zum Anbremsen der kurveninneren Räder sowie eine mechanische Quersperre. Das ab 93 100 Franken erhältliche GTS-Coupé anstelle eines 911ers zu kaufen, ist keineswegs so, wie eine Coverband für eine Party zu buchen, weil das Geld fürs Original nicht reicht – der fein ausbalancierte Mittelmotor-Hecktriebler überzeugt mit seinem eigenen Stil. Scheinbar viel zu schnell lässt er sich in enge Kehren hineinstürzen, gefühlt viel zu früh wieder herausbeschleunigen, ohne dass blinkende Warnlämpchen im Cockpit für Disco-Stimmung sorgen. Bei aller ­Musikalität der Sportabgasanlage: Der 718 Cayman GTS tanzt nicht, er macht – «Rein Raus», wie ein Titel der deutschen Metal-Band Rammstein lautet – mit Kurven kurzen Prozess.

Ein Blick ins Cockpit.
Ein Blick ins Cockpit.

Natürlich können die 718-Top­modelle auch andere Töne anschlagen: Easy ­Listening während der Autobahnfahrt, gutlaunige Sommerhits, wenn es sich dabei um die Frischluftvariante Boxster handelt.

Gefangen im Repeat-Modus

Das Fahrwerk verschont vor allzu groben Stössen, die beiden Kofferräume fassen unverändert 150 und 275 respektive beim Boxster 150 plus 125 Liter, und natürlich sind nebst allerlei Schnellfahrer-Systemen und einer Rennstrecken-App auch diverse Sicherheits- und Komfort-Features verfügbar. Mit dem 13 400-fränkigen Aufpreis gegenüber den S-Modellen büsst man somit nicht auch noch die Alltagstauglichkeit ein – das GTS-Prinzip lautete nie Kompromisslosigkeit. Der Nachteil besteht eher darin, dass man nach dem Druck auf die Play-Taste kaum mehr aus dem Repeat-Modus herauskommt.

Nina Vetterli fuhr die neuen Porsche-718-GTS-Modelle auf Einladung der Porsche Schweiz AG in Spanien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch