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Trockene WälderLandwirte hoffen auf strömenden Regen

Leidende Wiesen und sterbende Bäume: Schon im April hat der Kanton Bern mit extremer Trockenheit zu kämpfen.

Brandgefahr: Im Könizer Büschiwald brach an Ostern ein Feuer aus.
Brandgefahr: Im Könizer Büschiwald brach an Ostern ein Feuer aus.
Bild: Adrian Moser

Während viele das schöne Wetter und die warmen Sonnenstrahlen geniessen, leidet die Natur unter extremer Trockenheit. Die Folge: Der Kanton Bern hat am Mittwoch ein Feuerverbot im Wald und dessen Nähe erlassen. Bei Wind ist jegliches Feuer ohne geeignete Stelle untersagt. Diese Anordnung gelten bis auf weiteres.

Das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern (AWN) erklärt auf Anfrage die Gründe dazu. «Nach einem ungewöhnlich milden Winter war auch der März überdurchschnittlich warm und trocken.» Hinzu kommt, dass im April bisher kein flächendeckender Niederschlag gefallen ist. Dies führe zur Schwächung der Bäume. «Das Baumwachstum ist reduziert, Kronenteile oder ganze Bäume können absterben.»

Die Landwirtschaft hofft ebenfalls auf einen baldigen Regen in Strömen. «Momentan haben vor allem die Gemüsebauern Handlungsbedarf», sagt Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbands. «Ohne Bewässerung ist es kaum möglich, etwas anzupflanzen.» Wenn diese Trockenperiode so weitergeht, könne es auch zu Problemen ausserhalb der Landwirtschaft kommen. So befürchtet er, dass in Gemeinden die Wasserbezüge eingeschränkt werden könnten. Im Kanton Freiburg habe man bereits Probleme für den Alpauftrieb. «In Bern haben wir zum Glück noch genügend Wasserreserven.»

«In Bern haben wir zum Glück noch genügend Wasserreserven.»

Hans Jörg Rüegsegger, Präsident Berner Bauernverband

Auch in der Stadt werden bereits wie vor zwei Jahren neu gepflanzte Bäume gewässert. «Die Natur braucht dringend Regen», sagt Christoph Schärer von Stadtgrün Bern. Denn die Pflanzen sollten zu dieser Jahreszeit wachsen. «Man sieht es auch dem Rasen und den Wiesen an, dass sie leiden.»

Der April macht bekanntlich, was er will. Natürlich gab es auch schon früher solche heissen, trockenen Perioden in dieser Zeit. «Doch was auffällt, ist das immer häufigere Auftreten von solchem extremen Wetter.» Schärer ist sich sicher, dass der Klimawandel da seinen Anteil daran leistet.

Ackerkultur in Gefahr

«Eine solche Trockenheit um diese Jahreszeit ist schon ziemlich aussergewöhnlich», sagt auch Martin Grosjean. Er ist geschäftsführender Direktor beim Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) der Uni Bern. «Wenn der Boden bereits jetzt austrocknet und weitere Niederschläge unterdurchschnittlich sind, braucht es im Sommer nicht viel bis zu einer gravierenden Trockenheit.» Hitzesommer wie 2018 oder 2003 will er dabei nicht ausschliessen.

Auch denen ging ebenfalls ein eher trockener Frühling voran. «Es braucht wirklich eine grosse Menge an Regen, insbesondere für die Ackerkulturen.» Die nächsten acht Tage sieht die Wetterprognose dies allerdings nicht vor. «Im Zuge der Klimaerwärmung rechnen wir mit generell trockeneren Sommern», warnt Grosjean. Studien der Agroscope weisen schon seit langem darauf hin, dass die Landwirtschaft im Mitteland ohne
Bewässerung zu einem Problem werden wird oder bereits heute schon ist.

Was selbst Fachleute wie ihn überraschte, war, dass 2018 im Jura wegen der Trockenheit grossflächig Buchen abgestorben sind. Doch es sei noch zu früh, um solches oder ähnliches im aktuellen Jahr vorherzusagen. «Für die Rottanne ist es an vielen Standorten im Mittelland jetzt schon zu trocken.»