Landesverweis für gewalttätigen Ehemann

Ein Brasilianer, der seine Ehefrau geschlagen und den Nebenbuhler bedroht hat, muss die Schweiz für fünf Jahre verlassen.

Der Angreifer beschimpfte seine Frau, bedrohte und schlug sie: Eine gestellte Szene von häuslicher Gewalt. Bild: Luis Berg/Keystone

Der Angreifer beschimpfte seine Frau, bedrohte und schlug sie: Eine gestellte Szene von häuslicher Gewalt. Bild: Luis Berg/Keystone

Stefan Hohler@tagesanzeiger

Es ist ein gravierender Fall von häuslicher Gewalt, mit dem sich das Bezirksgericht Winterthur befasst hat. Ein 28-jähriger Gebäudereiniger war angeklagt, im Februar dieses Jahres den neuen Freund seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau mit einem Messer bedroht zu haben. Dabei hielt er dem Nebenbuhler in der Wohnung der Frau die Klinge an die Brust und sagte, er solle verschwinden, sonst werde er ihn umbringen.

Der Freund rannte davon, und auch die Ehefrau versuchte, aus der Wohnung zu fliehen. Der Brasilianer aber schloss die Wohnungstür ab und packte sie an den Haaren. Auch ihr hielt er das Messer vor die Brust, worauf sie in Panik geriet. Sie versuchte, das Messer abzuwehren, und verletzte sich an der Hand. Der Angreifer beschimpfte seine Frau, bedrohte und schlug sie. Sie sei eine Schlampe, sein Leben nach neun Ehejahren zerstört.

Nach Prügel arbeitsunfähig

Dem Vorfall vom 10. Februar 2018 war ein Ehestreit vorangegangen, der damit endete, dass die gleichaltrige Schweizer Frau mit den beiden Söhnen ihren Mann verlassen hatte. Schon vor der Tat hatte er ihr mehrfach per SMS mitgeteilt und geschrieben, sie werde dafür büssen. Und ein Jahr zuvor hatte er seine Ehefrau nach einem gemeinsamen Barbesuch zu Hause mit Fäusten und Tritten so verprügelt, dass diese danach fünf Tage lang arbeitsunfähig gewesen war.

Am Prozess vor dem Bezirksgericht Winterthur bestritt der Brasilianer die Messerattacke. Nicht er, sondern die Frau habe ihn mit dem Messer bedroht. Die Handverletzung stamme davon, dass der neue Freund ihr das Messer wegnehmen wollte. Beim Vorfall von 2017 jedoch zeigte er sich grundsätzlich geständig, machte aber Notwehr geltend. Seine Frau habe ihn nach dem Barbesuch angegriffen.  

Das Motiv für seine Messerattacke und die Prügelei sei Eifersucht und verletzter Stolz gewesen.

Die Staatsanwältin hatte den Brasilianer unter anderem wegen Gefährdung des Lebens, Körperverletzung und Drohungen angeklagt. Das Motiv für seine Messerattacke und die Prügelei sei Eifersucht und verletzter Stolz gewesen. Er habe es nicht verkraften können, dass seine Frau ihn verlassen habe und einen neuen Freund habe. Die Staatsanwältin verlangte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wobei die Hälfte zu vollziehen sei. Zudem soll der Mann für zehn Jahre des Landes verwiesen werden.

Der Verteidiger verneinte die Messerattacke. Beim Vorfall im Jahr 2017 habe es sich um einfache Körperverletzung und Drohung gehandelt, sein Mandant sei dafür angemessen zu bestrafen. Und selbst wenn der Brasilianer mit dem Messer herumgefuchtelt hätte, was sein Mandant bestreitet, hätte keine Gefährdung des Lebens vorgelegen. Denn es habe keine unmittelbare Lebensgefahr bestanden, und eine rein theoretische Lebensgefahr genüge nicht.

Widersprüchliche Aussagen 

Dieser Punkt spielte im Prozess die wichtigste Rolle. Denn der Straftatbestand «Gefährdung des Lebens» gehört zu den sogenannten Katalogtaten, die eine obligatorische Landesverweisung nach sich ziehen. Das Gericht kann ausnahmsweise davon absehen, wenn ein schwerer persönlicher Härtefall vorliegt.

Die Richter folgten den Argumenten der Staatsanwältin. Sie verurteilten den Brasilianer zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wovon er sechs absitzen muss. Zudem wird er für fünf Jahre des Landes verwiesen. Seine Aussagen seien widersprüchlich, die der Ehefrau aber überzeugend. Ein Härtefall liege nicht vor, der Mann habe eine enge Beziehung zu seiner Familie in Brasilien. Die beiden Kinder seien kein Grund für ein Anwesenheitsrecht in der Schweiz.

Der 28-jährige Mann, der sich seit Februar 2018 in Untersuchungshaft befindet, wurde nach dem Prozess in Winterthur auf freien Fuss gesetzt. Sein Anwalt wird den Fall nun ans Zürcher Obergericht weiterziehen.

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