Kunst nützt der Zürcher Wirtschaft

Kulturbegeisterte bringen Geld in die Stadt. Davon profitieren Läden, Restaurants und Bijouterien.

«Kultur als Wirtschaftsfaktor»: Kunstplakate in der Baustelle des Parkhauses Gessnerallee in Zürich. (4. Februar 2004)

«Kultur als Wirtschaftsfaktor»: Kunstplakate in der Baustelle des Parkhauses Gessnerallee in Zürich. (4. Februar 2004)

(Bild: Keystone)

Anita Merkt@tagesanzeiger

Die Wirtschaft Zürichs profitiert von der öffentlich geförderten Kunst. Das geht aus einer Studie hervor, die die Basler Arbeitsgruppe für Konjunkturforschung BAK Basel im Auftrag der Julius-Bär-Stiftung erstellt hat. Die Forscher haben untersucht, wie Zulieferbetriebe, Hotels, Juwelierläden und die Gastronomie von den Kulturinstitutionen profitieren. Auch Sekundäreffekte wie die Konsumausgaben der Kulturangestellten haben sie berücksichtigt.

In der Studie «Kultur als Wirtschaftsfaktor» kommen die Ökonomen zum Schluss, dass die 61 öffentlich geförderten Kunststätten, Musikhallen und Musikclubs, Theater und Kinos in der Stadt Zürich 2013 eine Bruttowertschöpfung von 291 Millionen Franken generiert haben. Zum grössten Teil bestehe diese aus den Löhnen für die 1360 Kulturangestellten. Stadt und Kanton geben zusammen jährlich rund 200 Millionen Franken für die Kulturförderung aus.

Magnet für Hochqualifizierte

Julius Bär CEO Boris Collardi betonte, seine Bank habe die Studie «Kultur als Wirtschaftsfaktor» finanziert, weil die volkswirtschaftlichen Effekte von Kultur selten berücksichtigt würden. Die Studie sei ein «Geschenk an die Stadt» anlässlich des 125-jährigen Bestehens der führenden Privatbankgruppe der Schweiz. Die Autoren der Studie betonen, dass das reichhaltige Kulturangebot Zürichs dazu beitrage, die Stadt für hoch qualifizierte Fachkräfte aus aller Welt attraktiv zu machen. «Die Studie zeigt, dass Kulturförderung kein rausgeschmissenes Geld ist, sondern auch Wertschöpfung generiert», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch. Bei der Präsentation der Studie in der Kunsthalle Zürich an der Limmatstrasse betonte sie, die bisher nicht verfügbaren Zahlen und Fakten seien «ein Werkzeug, aber kein Wundermittel». Bei der «immer sehr umstrittenen Kulturförderung» dürfe der rein ökonomische Nutzen nicht im Vordergrund stehen. Denn der wesentliche Wert der Kunst sei immateriell. Auch Kulturdirektor Peter Haerle warnte davor, mit den Zahlen der Studie Kulturpolitik machen zu wollen. «Was zählt, ist ein spannendes und attraktives Kulturleben.» FDP-Gemeinderat Severin Pflüger erinnerte daran, dass staatliche Ausgaben immer einen Multiplikatoreffekt für die Wirtschaft hätten. «Auch die staatlich geförderte Kinderbetreuung generiert Wertschöpfung, weil sie beiden Eltern erlaubt, einer Erwerbs­tätigkeit nachzugehen».

Auf die Wertschöpfung in Höhe von 291 Millionen Franken kamen die BAK- Forscher, indem sie rund 5000 Besucher von Zürcher Kultureinrichtungen befragten. Sie wurden zu ihrer Herkunft, ihrer Verweildauer, ihrer Unterkunftsart und zu ihrem Ausgabeverhalten befragt. Dabei kam zum Beispiel heraus, dass von den ausländischen Besuchern 35 Prozent aus Deutschland und 12 Prozent aus den USA stammen. Am meisten gaben mit rund 100 Franken pro Kopf und Tag die Besucher von Kunsthaus und Kunsthalle aus. Bei den Ausgaben für Gastro und Nightlife übertrafen die Ausgaben der Opernhausbesucher die der Besucher aller anderen Kulturinstitutionen.

Insgesamt macht die von der Kultur erzeugte Wertschöpfung 0,4 Prozent der Wertschöpfung in der Stadt Zürich aus. Die Zürcher Hotels kommen auf einen Wertschöpfungsanteil von 0,6Prozent.

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