Zum Hauptinhalt springen

Kunst-Notizen von Hans Ulrich ObristKunst, ganz riesig

Eine geniale Idee der Wiener Staatsoper.

Hans Ulrich Obrist

Blick auf den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper mit dem Werk «Queen B (Mary J. Blige)» von Carrie Mae Weems.
Blick auf den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper mit dem Werk «Queen B (Mary J. Blige)» von Carrie Mae Weems.
Foto: © museum in progress

Wer in die Wiener Staatsoper geht – derzeit sind es ja leider nicht so viele Besucher wie sonst –, seinen Platz in dem wunderschönen Saal einnimmt und in Richtung Bühne blickt, sieht als Erstes: ein gigantisches Bild. Seit zweiundzwanzig Jahren ist es jedes Jahr ein anderes, kreiert von einigen der berühmtesten Künstlerinnen und Künstlern unserer Zeit: Kara Walker machte den Anfang, es folgten unter anderen Richard Hamilton, Tacita Dean, Rosemarie Trockel, Cy Twombly oder David Hockney.

Die Bilder sind jeweils auf dem Eisernen Vorhang angebracht, dessen eigentlicher Zweck darin besteht, im Falle eines Feuers auf der Bühne den Zuschauerraum zu schützen. Die Idee, diese eiserne Wand zu verzieren, hatte die Oper bereits in den 50er-Jahren und beauftragte den Wiener Künstler Rudolf Eisenmenger, früher einer der Lieblingsmaler Adolf Hitlers. Als Reaktion auf diesen Skandal startete 1998 dann die Initiative „Museum in Progress“ mit der Gegenidee, den Eisernen Vorhang als Ausstellungsfläche für Gegenwartskunst zu nutzen. Eine Jury (der ich angehöre) wählt seither jedes Jahr eine Künstlerin oder einen Künstler aus, die auf dem Vorhang eine Bühne bekommen. Für diese Spielzeit fiel die Wahl auf Carrie Mae Weems, die eine so grandiose, opulente und hochaktuelle Arbeit ersann, dass sie damit jeder Oper Konkurrenz macht.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.