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Sweet Home: Handgemalte Tapeten Kunst an der Wand

Monet, Proust oder Brancusi: Die betörenden Tapeten von Elena Carozzi lassen an die grossen Meister denken.

Kennen Sie diese bestimmten Magazin-Geschichten, die man mal gelesen und gesehen hat, und an die man immer wieder denken muss? So war das für mich mit einer Wohnreportage aus Italien. Sie versetzte mich in eine andere Zeit und war gleichzeitig modern und einfach betörend. Eine alte, italienische Wohnung wurde vorgestellt, ausgekleidet und behangen mit fantastischen Tapeten. Jahre später, an der Möbelmesse in Mailand, traf ich dann die damalige Bewohnerin dieser Wohnung: Elena Carozzi. Und ich erfuhr: Sie malt ihre Tapeten alle selbst!

Diese lassen mal an die Seerosenteiche von Monet denken, entführen in die Zeit von Proust und ziehen magisch an. Nicht nur die Wände, sondern auch das Gefühl. Weitere erkennbare Inspirationen der Künstlerin sind Vuillard oder Bonnard.

Dann wiederum fühlt man sich in einen Salon, in ein Boudoir des späten 19. Jahrhunderts oder in einen verwunschenen Palast versetzt. Und doch sind die Tapeten modern, aktuell und verbinden diese bestimmte Stilsicherheit mit grosser Handwerkskunst, die man nur in Italien antrifft. Ich vermisse die Möbelmesse in Mailand, die Einblicke in grossartige Räume und diese einzigartige Stimmung, die man mit nach Hause nimmt und noch lange mit sich herumträgt. Das Schönste an diesen Möbelmessen war für mich genau diese Verbindung von Stil, Kunst und Handwerk. Die Perfektion des Unperfekten. Ebendies strahlen auch die Meisterwerke von Elena Carozzi aus.

In einer Zeit, in der uns die digitale Technik so vieles ermöglicht und dabei aber auch vielem den Zauber nimmt, ist Kunsthandwerk noch viel bedeutungsvoller geworden. Elena Carozzi ist umgeben von Kunst, der Liebe zur Dekoration und zum Handwerk aufgewachsen. Oft hielt sie sich im Studio ihres Grossvaters Gian Carozzi auf, der zusammen mit Lucio Fontana den Spatialismus gegründet hat. Sie begann schon früh mit dem Malen. Dabei spielt sie mit Licht, Farbe und Material. Natürlich bietet sie mittlerweile auch eine gedruckte Kollektion an. Aber selbst diese hebt sich ab von den üblichen Tapeten, ist zum Teil auf Seide, auf Lurex oder Bast gedruckt.

Ihre Tapetenkunstwerke sind verspielt und voller Inspiration. Diese Tapete heisst Afro Deco und verbindet warme Farben mit geometrischen Mustern und Art déco.

Eine andere geometrische Tapete ist von Brancusi inspiriert. Hier kommen Entwurf und finales Werk zusammen und zeigen die Tiefe der Farben- und Formenspiele.

Manchmal geht Elena Carozzi bei ihren Wandkleidern noch weiter und macht Haute Couture daraus. Hier auf dieser handbemalten Seidentapete tanzen handgestickte Vögel zwischen den Blättern auf den Zweigen.

«Foglie di Vite» heisst dieses Pastelwerk, bei dem Goldtöne und silberne Blätter wie durch einen sanften Nebel hervor strahlen.

Bei genauem Hinschauen werden die schöne Materialität und die Zeichenführung erkennbar, die sich von traditionellen, handgemalten Tapetenkunstwerken abheben. Statt mit Klassik spielt die Künstlerin mit Impressionen, Dekorativem und der Liebe zur Natur.