«Wir haben uns schnell gefunden»

Die Autorengruppe «Bern ist überall» überschreitet Sprach- und Landesgrenzen: Erstmals spannt sie mit Autorinnen und Musikern aus Kosovo zusammen.

Auf Tour: Mitglieder von «Bern ist überall» (mit Gerhard Meister, hinterste Reihe, 3. von links) und kosovarische Künstler.

Auf Tour: Mitglieder von «Bern ist überall» (mit Gerhard Meister, hinterste Reihe, 3. von links) und kosovarische Künstler.

(Bild: zvg)

Hiltbrunner und Hirschbrunner: Eine Liste mit Schweizer Familiennamen samt dem Zusatz «isch eine vo dene» liess sich Gerhard Meister auf Albanisch übersetzen. «Diese Sprache ist eine harte Nuss», sagt der Dramatiker, Lyriker und «Bund»-Mundartkolumnist.

Sie sei wie das Ungarische oder Finnische ziemlich einzigartig. Jetzt liest er in einer Nummer die Namensliste auf Albanisch, und ein kosovarischer Kollege trägt sie auf Berndeutsch vor. Die beiden Listen seien dabei «ineinander verwoben», sagt Meister, der fast seit den Anfängen zur Autorengruppe «Bern ist überall» gehört.

Mit «Kosovë is everywhere» arbeitet «Bern ist überall» erstmals mit Sprachkünstlern und Musikern aus Kosovo zusammen. Ausgangspunkt war der Kulturpreis der Berner Burgergemeinde 2015. Einen Teil der Preissumme investierte die Autorengruppe, der unter anderen auch Pedro Lenz und Guy Krneta angehören, in dieses Projekt. Die Beziehungen zwischen Kosovo und der Schweiz sind seit Jahrzehnten eng, mittlerweile lebt eine Viertelmillion Menschen mit kosovarischen Wurzeln in der Schweiz. Das Albanische ist fast so etwas wie die fünfte Landessprache der Schweiz.

In der Hauptstadt Pristina wurde eine Wohnung gemietet, im Frühling und Sommer 2017 kam es zu ersten Begegnungen und Proben. Produktionspartner in Kosovo war das Qendra-Multimedia-Kulturzentrum, das vom Dramatiker Jeton Neziraj geleitet wird. Neziraj hat wie ein «Nationaltrainer» die kosovarischen Künstler nominiert; darunter sind etliche aus Radio und Theater bekannte Figuren. Im vergangenen Herbst absolvierten sie sieben gemeinsame Auftritte in diversen Städten in Kosovo.

Jetzt ist das Projekt in wechselnden Formationen auf Schweizer Tournee; im Mai wird eine Audio-CD erscheinen. «Unsere Auftritte in Kosovo haben gut funktioniert», sagt Meister, «wir hatten überall ein aufmerksames Publikum.» Die Mundart-Beiträge wurden jeweils albanisch übertitelt, bei den Auftritten in der Schweiz wird es umgekehrt sein. «Aber insgesamt sind vier Sprachen auf der Bühne», sagt Meister. «Neben der Mundart und Albanisch auch Englisch und Französisch.»

Die Präsentation folgt dabei dem bewährten Muster, das man von «Bern ist überall»-Auftritten kennt: Man sitzt auf Stühlen in einer Reihe; wer etwas sagt, steht auf und tritt zum Mikrofon. Musikalisch formieren sich dabei meist Duos mit je einem kosovarischen und einem Schweizer Musiker. «Das ergibt wunderbare Momente», schwärmt Meister. Anlaufschwierigkeiten bei diesem Experiment gab es keine. Ein gemeinsamer Humor hätte bei diesem sprachübergreifenden Projekt geholfen: «Ethnologische Barrieren musste keine überwunden werden, wir haben uns schnell gefunden.»

Schlachthaus-TheaterMittwoch, 4. April, 20.30 Uhr. www.aprillen.ch

Der Bund

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