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Wiederkäuer 
und Kopisten

Die Popmusik wird 60 – Zeit, sie in die Vitrine zu stellen, 
sagt sich das Berner Museum für Kommunikation. Und zeichnet 
in der bunten und nostalgietriefenden Show «Oh yeah!» 
ein nicht nur schmeichelhaftes Bild der heimischen Musikszene.

Die ersten Wilden machten Südsee-Musik: Die Hula Hawaiians gelten als Urgeber des ersten Schweizer Rocksongs.
Die ersten Wilden machten Südsee-Musik: Die Hula Hawaiians gelten als Urgeber des ersten Schweizer Rocksongs.
zvg

Sie haben sich wohlgeordnet gruppiert, die Knie recken sie neckisch durch die Bast­röckchen und lächeln unschuldig in die Kamera. Eine von ihnen trägt eine Ukulele in der Hand, und die Hula-­Blumenkränze sitzen tipptopp. Das frauliche Ensemble nennt sich The Honolulu Girls und ist die erste Girlband der Schweizer Popgeschichte. Im Bewerbungsschreiben ans Schweizer Radio heisst es in hübschester Sekretärinnenmanier: «Da wir schon an verschiedenen Abenden erfolgreich mitgewirkt haben, erlauben wir uns, Sie anzufragen, ob wir einmal im Radio spielen könnten.» Juveniles Aufbegehren, das war in den Fünfzigerjahren noch nicht einmal ein Nischenphänomen. Die sogenannten ­Hawaii-Bands fächelten (lange vor Gölä) eine Frühform des Fernwehs via Radio Beromünster in die Schweizer Stuben und bildeten einen exotischen Kontrast zu den grassierenden Mundart-Heimatliedern. So harmlos diese Hawaii-Bands anmuten, waren sie dann doch die Ersten, die Spurenelemente des Rock ’n’ Roll in ihre Musik aufnahmen; der «Chimpanzee Rock» der Hula Hawaiians aus dem Jahr 1957 gilt als die erste Rock-’n’-Roll-Nummer aus der Schweiz. Das Lächeln der Honolulu Girls ziert Tafel eins der Schau «Oh yeah! Popmusik in der Schweiz» im Berner ­Museum für Kommunikation. Es ist der erste Versuch, die hiesigen Auswüchse der Popkultur zum Ausstellungsobjekt zu bündeln. Die Honolulu Girls sind der züchtige Auftakt zu den Tumulten, die die Populärmusik in den darauffolgenden Dekaden noch auslösen sollte.

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