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Widrnüüxii

«Mundart»-Kolumnist Peter Schibler über die Frage, ob es noch gedruckte Bücher braucht.

Mit «Hallå! Bra dag!» hani geschter Morgge, i dr Aanahm, es chööm vo Schtockholm, jedes Telefon abgnoo, aber es isch wieder einisch nüüt gsii, item: Bruucht dr Mönsch überhoupt no druckti Büecher hütt? E Psychiater, woni kenne, fingt zum Bischpiu nei, säbs brooch ea nömm, drum hett er si ganzi Bibliothek a ds Brocki vertschuttet u nährt sech sider denn literaturmässig zu nünzg Prozänt oder wasweissi wieviu vom elektronischen Aagebot.

Auso für mii wär das nüüt. Das elektronische Züüg isch üsereim Bode-schtändigen eifach z fahrig u z flimmerig u z närvöös u vor auem zweni haptisch (was me so richtig cha i d Finger näh) und, ja, o zweni sinnlech (i dr urschprüngleche Bedüttig vom Wort). Mit eme Buech hesch eifach öppis Härzhafts i dr Hang, ein Buch spendet Halt, gerade in Zeiten, wo alles durcheinander wirbelt u zunger-obsi graatet, u wenn ii, umen as Bischpiu, sägemer am Peter Carey si Roman «Illywhacker» (heisst o i dr dütschen Übersetzig esoo) us mir Bibliothek usezieh u drinumeschnöigge, de bini nid ume subito wider im Harlem vo de 1940er-Jahr, nei, de bini grad o no im Jänner 1996 z Tasmanie, woni nämlech dä Schunke, woni itz da deheim liibhaftig i de Häng haa, häre mit-?gschleipft haa, uf Tasmanie, für vor em Iischlaafen aube drinn z läse, u jedi Sitte, tüechzmi, schmöckt no hütt nach Eukalyptus u Kängurugagle, u we nöimen öppe gaar e vertätschten u vertröchnete Jackjumper (e läschtegi Ameisenart) über acht, nüün Buechschtaben ewägg pflaareti, i gschpürti miseeu exakt a dere Körperschteu wider es Brönnen u Biisse, wo mi das Souviech dennzmau hett pisaagget.

Das meineni mit sinnlech, u itz äben auso ömu wenn iig Psychiater wäär, i täät miner Büecher uffkefau vertschutte, im Gägeteil: Ds ganze Schprächzimmer wurdi zringsetumm u bis ganz ufen a d Dili zuetapeziere mit Wärch vo Plato bis Antonia Byatt (damit äntlech o mau e Frou voorchunnt hie), u dr Schtoub wurdi äxtra nie wüschen u d Schpinnubbele liessi o grad la hange, damit aui die Börseheinis, Vierlivier-Fahreren und, öh, Verleger grad scho bim Ds-erscht-Mau-i-mi-Praxis-Inechoo merkti, dass es nonen angeri Wäut gitt weder die, wo si dra chranke.

Aber zur Houptsach hüttigstags, nämlech zum Detail, hie zur Frag: Wie ordnet me siner Büecher ines Gschteu ii, sobau si nümm z säubdotze sii, sondern sägemer z hunderten oder säubtuusige? Okay, die eifachschti Lösig isch geng no die: «Eifach wosgrapplatzhett.» Aber da geits akurat wie bim Mundaartschribe: uf s Mau hesch Längizytti nach klare Regle-n-u nach ere-n-Ornig, wo das Geschriebene nur zeitgemäss überflogen und quergelesen zu werden braucht umenizo müesaam worpferwort mues buechschtabiere winen eerschkklässler gäuit item oornigitzimbüecher-?gschteu! Friili wie?

E Zittigsredakter, woni o kenne, probierts alphabetisch nach Autor; we dert z Bsuech bisch, chunnsch dr voor wie ire Buechhandlig. (Usserdämm: Wenn eis Tablar vou isch u nüt meh alphabetisch koräkt chasch dri-?pflüümle, muesch im Prinzip die ganzi Musig Tablar für Tablar nidsi umorgele.) Me chönnt drittens o Ornig mache nach Gröössi oder Farb oder so, aber auso iig ordnen im Fau nach Kulturkreise, ume die wittwägge Tablar zoberscht u zungerscht hani reserviert für Schämdiliteratur wie Donna Leon, Alberto Vazquez-Figueroa oder Nevil Shute, womeniggrad ufeneerschblick bruuchzwüsse dasi settix lise.

Dr Peter Carey übrigens, wo obe scho einisch isch voorchoo, hett vilech geschter o jedes Telefon mit eme «Hallå! Bra dag!» abgnoo. I möcht ihm aalütte, für dass mer is gägesittig chönnte tröschte.

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