«Wann kommt später?»

Sängerin Daniela Weinmann von Odd Beholder glaubt an die Liebe und an das Experiment. Ihr grösster Schatz ist ihre Unberechenheit.

Die Zürcher Sängerin täuscht ihre Geduld nur vor, wie sie sagt.

Die Zürcher Sängerin täuscht ihre Geduld nur vor, wie sie sagt. Bild: zvg

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Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Frodo. Der Ring verlieh ihm die Superkraft der Unsichtbarkeit, und seine Lebensaufgabe war, sich von dieser Superkraft loszusagen.

An was glauben Sie?
An die Liebe. Künstlerisch glaube ich an das Experiment, an das Spiel, an die Neugierde.

An was glauben Sie nicht?
An die unsichtbare Hand des Marktes.

Was hängt bei Ihnen über dem Bett?
Spinnweben.

Was ist Ihr grösster Schatz?
Ich versuche, mir meine Unberechenbarkeit zu bewahren.

Wofür sparen Sie?
Wie die meisten spare ich für später. Nur: Wann kommt später?

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig wild gefühlt?
Als ich mit Martin Schenker das Album «All Reality Is Virtual» aufgenommen habe. Im Versteck des Studios ist alles legal. Also musikalisch natürlich.

Welches sind Ihre aktuellen Süchte?
Instagramherzen kriegen, das ist eine Berufskrankheit. Am Hals meines Freundes riechen. In Tankstellenshops absurde farbige Limos kaufen.

Was ist Ihnen näher: das Leichte oder das Schwere?
Leichtigkeit fällt mir schwer. Es erleichtert mich hingegen, mich mit dem Schweren auseinanderzusetzen.

Wo zwickt es derzeit am meisten?
Die Antwort von jeder Künstlerin, immer: im Portemonnaie.

Was war der schönste Ort, den Sie besucht haben?
Einmal stand ich auf einer Brücke in Qingtian im Nebel. Mir wurde plötzlich klar, dass in diesem Moment niemand wusste, wo ich war. Es war ein seltsames Gefühl. Ein Dutzend Vögel zog vorüber, sie bildeten eine fliegende Schlange. In Manila sah ich im Vorbeigehen einen aufgebahrten gelblichen Leichnam unter weissen Spitzenstoffen. Kinder spielten in der Strasse, vom Tod unbeeindruckt. Ich erinnere mich an das Scharren von Hufen im Stroh, als mein Freund und ich in einem Stall in Uri übernachteten. Morgens um vier kam der Schlachter den kleinen Muni holen. Die Sonne ging trotzdem auf, ob das arme Tier sie noch gesehen hat? Die Bergspitzen glühten in einem unwirklichen Magenta.

Was ist das Traurigste oder das Lustigste, was Ihnen je auf der Bühne passiert ist?
Am Reeperbahnfestival war mein Keyboard falsch eingestellt, sodass die Töne nicht mehr auf den richtigen Tasten lagen. Ich spielte ein Solo, das harmonisch jenseits von Gut und Böse war. Ich zog es einfach durch, in seiner ganzen Fälsche, die Gesichter der Leute fand ich super. Seltsamerweise fühle ich mich in solch peinlichen Momenten befreit und mutig. Du weisst in diesem Augenblick, dass die Leute gerade sehr aufmerksam zuhören und denken: Was zum…? Es ist schön, die Leute einzulullen, zu hypnotisieren. Aber es ist fast noch spannender, sie aufzuwecken.

Was bringt Sie dazu, einen Raum zu verlassen?
Monologe, die sich als Gespräch tarnen.

Was wissen nur die wenigsten Menschen über Sie?
Dass ich meine Geduld vortäusche.

Wie sieht es aus, wenn Sie tanzen?
Ich tanze am glücklichsten, wenn ich nicht aussehe.

Wofür möchten Sie Werbung machen?
Bitte stimmen Sie am 25. November gegen die Selbstbestimmungsinitiative der SVP ab. Denn, liebe Leserinnen und Leser des «Bund», um auf die Frage am Anfang zurückzukommen: Woran glauben Sie?

Auf Social-Media-Plattformen beschleicht die Zürcher Sängerin oft ein Gefühl von Unwirklichkeit; darauf basiert auch «All Reality Is Virtual», das erste Album von Odd Beholder, das Weinmann gemeinsam mit Martin Schenker aufgenommen hat. Morgen spielt das Duo im Bad Bonn Düdingen, und zwar im Vorfeld von Kelly Lee Owens (21.30 Uhr).

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2018, 07:08 Uhr

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