Vom Handle mit Wort

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt fragt sich, ob die Welt sich verändert, wenn man die Sprache verändern würde. Das gilt vor allem für die Genderthematik.

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Hütt byn i zum Bischpiu an ere Kasse gfragt worde, ob i schon e Kund syg. I ha churz überleit, ob i söu säge, i heig sicher o männlechi Hormon, aber äuä nid so viu, wöu i heig chürzlech gläse, viu Testosteron beförderi d Religiosität, i syg aber nid religiös;

Item, i syg gloubs tendenziell eifach e Frou, vo de Organ här und o süsch, i tüeg o Klischees beschtätige, woby multitasking syg i zwar nid; Ja, d Gender-Frag syg hüttzutags nid eifach, s gieng ja nid nume um d Frag Maa oder Frou, nei, Facebook bieti nöierdings 60 Geschlächtsoptione a, vo wyblech, männlech, über androgyn, genderqueer, intersexuell, nicht-binär, transfeminin, inter*männlich, zwei- geschlechtlich bis zu cross-gender;

Item, i syg ömu gloubs würklech e Frou, tüeg füehle wien e Frou, faus es da en Ungerschied zwüsche Maa u Frou gieb, ig syg eifach e Frou, wöu i das so wöu — u drum auso syg ig on e Kundin, nid e Kund.

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Das aues han i zum Glück nid gseit, i ha ja nume für mi Bueb e Legofigur mit zwöi gfährleche Schwärter wöue choufe. U d Frou hinger dr Kasse hets ja nid bös gmeint. Hüfig aber ischs schtrukturell, wen i de Medie, by Gschpräch die wyblech Form wäggblybt; s blybt eso das ganze cheibe Wyb e Bitz dusse.

Wie me redt, weli Form me drfür bruucht: D Sprach het e Würkig, diräkt, brutal, fyn, nid eydütig, subversiv oder uf Langzyt. Rede isch nid nume Wort bruuche, mit em Rede cha me d Wäut bewege, verändere, zerstöre, ufboue — handle.

Drum gits die Sätz, wo Gschicht gschrybe hei. Dise vom SED-Politbüromitglied Schabowski, wo am 9. November 1989 dr Muurfall het usglöst. An ere Pressekonferänz het Schabo gseit, nöi chönn jede Bürger greglet o mau us dr DDR usreise, drufabe het e Reporter gfragt, ab wenn das Gsetz gäuti, ab wenn!?!

Drufabe het Schabo überrumplet dä berüehmt Haub-Satz «Das trifft nach meiner Kenntnis . . . ist das sofort, unverzüglich» gschtagglet – und ir glyche Nacht no isch d Muur gfalle. Oder dr Satz «I have a dream», wo Luther King 1963 bym ne Protescht z Washington gseit het, wöu d Mahalia Jackson zmitts i syni Red ine het gruefe: «Tell ‘em about the dream, Martin.»

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Traum beiseite. Itz hets ja grad es Gipfelträffe gä zwüsche Trump u Kim Jong-un. Es Gipfelträffe scho nume deswäge, wöu die beide aues überträffe a Hässlechkeit, bezogen uf das, was e Möntsch usmacht, dänkt, mit syre Sprach i d Wäut usetreit. «Wir werden keine andere Wahl haben, als Nordkorea komplett zu zerstören», het Trump mau gseit.

Oder Kim Jong-un: «Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen.» Serig Wort sy schon e Gwahnheit, sy aber nid nume Wort, sondern o Handlige, u würken uf d Wäut.

I frage mi, was für ne Würkig die beide Herre uf üsi Energie hei. Nid esoterisch meinen i das. E Uni-Studie zeigt, dass Pflanze (Alge) Energie vo angere Pflanze chöi absorbiere, quasi en alternativi Energiequelle. Drum geit me drvo us, dass dr Möntsch das o cha, Energie vo angere absuge.

Wie viu Energie het Kim Jong-un ächt de Bärnerinne u Bärner ab- gsuget, won är no im Liebefäld het gwohnt? Energie, won är itz bruucht für syni Ufrüschtig, Abrüschtig, für wyteri Sätz?

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«Und sie bewegt sich doch», het Galileo Galilei zum Inquisitionsgericht gseit, oder ischs dr Giordano Bruno uf em Schyterhufe gsi, oder süsch öpper? Dr Satz het ömu unabhängig vom Redner (Rednerin?) Gschicht gschrybe — u syder bewegt sech d Wäut.

Der Bund

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