Vision im Rückspiegel

Die Jazz-Sängerin Sandy Patton feiert ihren 70. Geburtstag mit einem Programm zwischen Klassik und Moderne.

Sandy Patton gibt mit 70 noch alles.

Sandy Patton gibt mit 70 noch alles. Bild: BeJazz

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«Reflective Perspectives»: Keiner spricht diesen Zungenbrecher sanfter aus als Sandy Patton. Die Frau, deren Stimme sich sogar auf einem Anrufbeantworter anhört wie warmer Sand, der einem durch die Hände rinnt, hat sich zum 70. Geburtstag ein neues Album geschenkt: «The Saga of Reflective Perspectives».

«Die Idee dazu hatte ich – wie so viele – sitzend auf meinem Bett», sagt sie. Von dort aus tritt sie an zu einer Reise durch das musikalische 19. und 20. Jahrhundert. Zur Populärmusik mit der Zukunft im Visier, «der Perspektive, in der sich die Musik der klassischen Meister reflektiert». Weniger theoretisch ausgedrückt: Patton bringt Debussy und Disco, Tango und Jazz, Traditionals, Chopin und Musicalnummern auf einem einzigen Album zusammen.

«Mein Onkel Ben war ein Konzertpianist. Als ich klein war, standen wir oft um sein Klavier und haben gesungen. Zu Hause bei meinen Grosseltern haben so viele Musikstile zusammengefunden, viele dieser Melodien kenne ich seit Kindertagen.» Aufgewachsen in Michigan, tourte Patton mit vielen Jazzgrössen wie Dizzy Gillespie, Paquito D’Rivera, Joe Haider, Jimmy Woode oder Ray Brown um die Welt, in Bern liess sie sich vor 25 Jahren nieder, war mehrere Jahre Professorin für Jazzgesang an der Swiss Jazz School beziehungsweise der Hochschule der Künste Bern.

Ihren 70. Geburtstag feiert sie – wie schon ihren 65. – dort, wo sie am liebsten ist: auf der Bühne. Mit einem Programm, das mehr ist als ein Medley aus ein paar Jahrhunderten Musikgeschichte. Es ist eine Vision im Rückspiegel. Patton behandelt die klassischen Arrangements mit der gleichen Sorgfalt wie die modernen Klangbilder: Da werden tränentriefende Streicher (The Amigern String Quartet) von einer jazzigen Bassline gewiegt, im Tangoschritt gehts durch die Gassen New Yorks, elegischer Balladenjazz trifft aufs kitschbefreite Volkslied. Und über allem: Pattons Stimme, die einen durch diese musikgewordene Biografie trägt.

BeJazz-Club Vidmar Do, 8., 20.30 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 08.03.2018, 06:52 Uhr

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