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Verzweiflung, die leuchtet

Im vergangenen Juli wäre der überragende schwedische Regisseur Ingmar Bergman 100 Jahre alt geworden. Im Kino Rex gibts eine Werkschau.

Nachdenken übers Kino: Die markante Eröffnungsszene von «Persona».
Nachdenken übers Kino: Die markante Eröffnungsszene von «Persona».
zvg

Was fangen wir heute nur mit Ingmar Bergman an? Die grossen Jahrhundertwerke des Kinos schüchtern uns schliesslich ein. Wir stellen sie auf einen Sockel, bis sie weit genug entrückt sind. Dabei sind sie nie monolithisch, sondern verlaufen in Zyklen und stecken voller Brüche. Wir unterschätzen sie sträflich: Ihre wahre Grösse, darüber täuschen sie gern hinweg, liegt in ihrer Zugänglichkeit.

Bedarf sein Werk, ein gutes Jahrzehnt nach seinem Tod und ein Jahrhundert nach seiner Geburt, einer Gebrauchs­anweisung? Nein, denn er ist einer der überragenden Filmerzähler. So kann sich ihm das Kino Rex ganz traditionell nähern: mit zwölf Klassikern, die ein Panorama seines Schaffens zwischen 1953 und 1982 eröffnen. Zugleich sind Filme wie «Das siebente Siegel», «Das Schweigen», «Persona» und «Schreie und Flüstern» eine Summe dessen, was den Regisseur in ihren Entstehungsjahren umtrieb.

Das Licht ist verlockend

Mit Bergman hält die unbedingte autobiografische Redlichkeit Einzug ins Kino. Seine Filme sind ebenso puristisch wie kunstvoll drapierte Resonanzräume der eigenen Erfahrungen, geprägt vom Protestantismus seines Elternhauses sowie den philosophischen und künstlerischen Suchbewegungen seiner Jugend. Er ist ein aufgeklärter Poet menschlicher Qual, dem Liebe, Erotik und Identität schonungslos Rätsel aufgeben. Es ist unumgänglich, sich auf die fahle Unerbittlichkeit einzulassen, mit der er in seinen Beziehungs- und Familienstudien existenzielle Leere und die Unwägbarkeit der menschlichen Natur auslotet.

Dazu gäbe es in Bergmans Werk durchaus ein heiteres Gegengift – die vergnüglichen Komödien der 50er-Jahre, in denen Eva Dahlbeck und Gunnar Björnstrand ausgelassen brillieren. Aus «Wilde Erdbeeren» spricht ein helles Einverständnis mit dem Leben, und «Fanny und Alexander» entführt in die magische Welt der Kindheit.

Auch der ernste, zweiflerische Bergman kann Kinoglück bereiten. Der Weg zu Metaphysik und Spiritualität führt bei ihm stets über die Sinnlichkeit. Das Licht ist verlockend in seinen Filmen, später auch die Farbe. Aber zuvorderst sind es die Schauspielerinnen, Harriet und Bibi Andersson, Ingrid Thulin, Liv Ullman und viele mehr, die den Zuschauer einnehmen. Sie halten eine einzigartige Zwiesprache mit der Kamera und verleihen der Verzweiflung ein unvergleichliches Leuchten.

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