Und überall Strausse

«Dickmadam, die lachte» ist eine kurze Moritat über eine Menage-à-trois des Belgiers Zidrou alias Benoît Drousie.

Bild: zvg

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Der abgewrackte Pep betreibt in Australien eine Straussenfarm. Aber während er noch darüber nachdenkt, ob diese Vögel zum Denken befähigt sind, und wenn nein, wie glücklich sie dann sein müssen, traktiert er seine Frau mit einem Spaten und lässt die Leiche anschliessend in einem Brunnenschacht verschwinden. Mit einem Kinderreim auf den Lippen: «Eisenbahn, die krachte, Dickmadam, die lachte.»

Knapper und drastischer kann man einen Comic kaum beginnen. Doch dann die Überraschung: Als Pep nach Hause kommt, steht seine Frau wie immer in der Küche und sagt mit vorwurfsvollem Unterton: «Du hast hoffentlich an die Butter gedacht.» Pep ist fassungslos. Wie sollte er unter diesen Umständen mit seiner Stieftochter ein neues Leben beginnen, wie soll er ihr das Ganze erklären, und vor allem: Wessen Zähne hat er eigentlich in der Hosentasche?

Nervtötendes «Glorg»

«Dickmadam, die lachte» ist eine kurze, dreckige Moritat über eine unziemliche Menage-à-trois, und so böse wie der belgische Szenarist Zidrou (alias Benoît Drousie) hier erzählt, würde man kaum glauben, dass derselbe Autor jahrelang Funnygeschichten und Kinderserien für das «Spirou»-Magazin entworfen hat. Dazu passen die Zeichnungen von Benoît Springer, der in «Dickmadam» vor allem in Farben spricht: Tagsüber erscheint die klaustrophobisch anmutende Farm in hässlichem Gelb-Orange, nachts wandelt sie sich zum trüben Violett mit roten Blutschlieren. Und überall sind da die Strausse, die ihr nervtötendes «Glorg» absondern.

Dass der Comic nichts für zarte Gemüter ist, versteht sich. Was an diesem Mysterythriller um Gier und Gewalt jedoch beeindruckt, ist seine Erzählökonomie: «Dickmadam» ist ein Epos im Zeitraffer, ein blutiges Perpetuum mobile. Oder wie es die Stieftochter an die Adresse von Pep formuliert: «Wir haben eine Tote, die lebendig sein sollte. Und eine Lebende, die tot sein sollte. Ein ziemliches Chaos, findest du nicht?» Bald wird sie deshalb selbst zum Messer greifen und ihre ganze Hässlichkeit offenbaren.

Die Trashigkeit der Figuren wird passenderweise auch im Hardcovereinband gespiegelt: Mit seinen scheinbar ausgeblichenen und abgewetzten Ecken sieht das Werk aus, als habe es jahrelang in einem schmuddeligen Zimmer herumgelegen.

Zidrou, Benoît Springer: Dickmadam, die lachte. Schreiber & Leser, Hamburg 2018. 72 S., 29 Fr. (Der Bund)

Erstellt: 23.01.2019, 08:47 Uhr

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