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Ultima Härdöpfel

Die «Mundart»-Kolumnistin schreibt über einen mystischen «Härdöpfel» der, durch das All fliegend, nur seine Ruhe haben will.

Vor langer Ziit, imene wiite Ruum ohni Ziit, isch emal und immerno en Härdöpfel. De Härdöpfel isch dur s All driftet, er hett nüüt gwüsst vo sich oder sinere Form, es isch ihm alles es Wunder xii, aber er het au s Wort Wunder nöd kennt, also isch er eifach xi, ohni Wort, ohni Ziit.

Lang isch er so xi, ohni dass irgendwer sich um ihn hetti bemüeht, au er selber het sich nöd brennend interessiert, mengisch nume het er sich us Routine und ohni grossi Selbstzwiifel vergliche. Da: d Planete, rund und usgwoge, Individualiste im fremde Liecht, üsserlich schrill, innerlich ohni Gheimnis. Döt: d Sterne, distanziert, dekorativ und unschätzbar in Wert und Alter. De Härdöpfel het die ­Bestandesufnahm all Millione Jahr mal gmacht und ad acta gleit – s Universum het für de Härdöpfel öppe die Bedüütig gha wie s Lebe für die Unsterbliche, nämlich keini. Sis ­Empfinde vo Chronologie und ­Kausalität het sich a krumme Mass­stäb orientiert, a rotierende Diske, sich selber uf­wicklende Galaxie, wo über die Jahrmilliarde mitenand kollidiered, kein Event und kei Verkehrs­meldig, keis Grüsch, kein Knall, nur es fort­währends, sinnbefreits Rumple – woher, wohii und us welem Grund? Em Härdöpfel het sich nüüt erschlosse.

Er het sich inständig gwünscht, dass die Erdling ihren Erkundigsdrang a me andere Himmels­körper uslebed.

Aber denn, urplötzlich, plötzlicher als de Härdöpfel s je erlebt het, isch es goldigs Insekt zwüsche de Planete usegschosse und het, ihn umschwirrend mitere unglaubliche Gschwindigkeit, ganz ufgregt druflos zwitscheret. Es sig es Hubble und es sig vo de Erde, und uf de Erde machi mer sich exponentiell viel Gedanke über de Ursprung und de Horizont vo Sache und Begebeheite, und ob er als Ultima ­Härdöpfel sich vilicht für en Verbiiflug welli bewerbe und falls ja, würd es, i sinere Position als Hubble, sich persönlich für ihn iisetze. De Härdöpfel, wo sit immer, also no nie jemals e spontani Begegnig het gha, isch völlig überforderet vo dere Hektik und dem Gezappel wiiter gschwobe und het sich inständig gwünscht, dass die offekundig nervöse Erdling ihren Erkundigsdrang a me andere ­Himmelskörper uslebed.

Uf de Erde aber het mä bereits Wind und e schüüchi Ahnig bechoo vom Härdöpfel. Mä het erfreut id Händ klatscht, da isch wiiter hine bim Pluto doch no öppis und zwar öppis Unbekannts, wo nöd lüüchtet oder aaglüchtet wird, öppis Unschiinbars, e unerforschti mythischi Projektions­flächi, öppis jensiits! Öppis jensiits isch immer guet für Pionierbetätigung, also hopp. Wie wild isch mä ufem Planet umegrennt, mit Spiegel und Rohr, zu Land und zu Wasser, mä het viel Geld und viel Kameras id Händ gno, het Date und Messwert us­gwertet, mä het sogar es Team zur Teambildig zur Forschigsgruppe Planete­bildig bildet und schliesslich beschlosse, dass de Härdöpfel und sini Umlaufbahn noi de menschlichi Erfahrigs­horizont sölled bilde und vo allem, wo bildet, sölls au es Bild gäh.

Und so isch de Härdöpfel ganz ohni Bewerbig siinersiits vo der Forschigsgruppe Planetebildig zum Verbiiflug userkore worde und mä het di gäbigerwiis grad i de Nöchi sondierendi Sonde New Horizons uf de Härdöpfel aagsetzt, öbs ihm jetzt gad i sis ziit- und orientierigslose Daasii passt oder nöd. Au das Intermezzo isch für de Härdöpfel nöd mee xi als e lästigi Zuckig, en Blitz, es Muggesirre, chlii und abstrakt.

Mit vor Angstschweiss nasse Hand­innefläche und klopfende Schlagadere isch d Forschigsgruppe Planetebildig drüü Tag vorem Computer ghockt und het de mit Ziitverzögerig iitreffendi Datekanal aagstarrt. S Bild vom Endi vo der bekannte Welt. Ultima Härdöpfel.

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