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«Wir wollen nichts beschönigen»

Aus einem Nein wurde ein Ja: Cihan Inan verlängert seinen Vertrag als Schauspieldirektor nun doch um zwei Jahre.

Nadine Borter (Mitte) ist seit 1. Juli Präsidentin des Stiftungsrats von KTB.
Nadine Borter (Mitte) ist seit 1. Juli Präsidentin des Stiftungsrats von KTB.
Christian Pfander

Nadine Borter, Sie nennen es «die beste Lösung». Hat der Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) überhaupt andere Möglichkeiten in Betracht gezogen?

Der Stiftungsrat hat Inan ja bereits letzten Frühling eine Vertragsverlängerung angeboten. Als wir die Gespräche jetzt wieder aufgenommen haben, war schnell klar, dass er für KTB noch immer die ideale Besetzung ist. Mit dieser Lösung können wir Ruhe und Kontinuität ins Haus bringen.

Inan wollte das Stadttheater im Mai verlassen. Nach dem Abgang des Intendanten Stephan Märki im Juli kehrt er nun zurück. Ist der Entscheid, Inan zurückzuholen, als Schuldeingeständnis zu verstehen?

Für uns ist es kein Zurückholen. Das Angebot, seinen Vertrag zu verlängern, war nie vom Tisch. Inans Nein hatte persönliche Gründe in einer Konfliktsituation. Das haben wir damals respektiert. Jetzt sagt Inan Ja, weil sich für ihn selber die Ausgangslage geändert hat.

Welches sind die Qualitäten, die Inan mitbringt?

Seine künstlerischen Visionen und seine Strategie gefallen uns. Aber der Stiftungsrat redet ihm da natürlich nicht rein, die künstlerische Ausrichtung liegt ganz bei ihm. Ein weiterer wichtiger Punkt ist sein menschlicher und künstlerischer Umgang mit dem Ensemble. Es hat in der vergangeen Zeit viel Unruhe erlebt. Inan hat hier starken Rückhalt.

Sie haben Ihr Amt als Stiftungsratspräsidentin in einer Zeit angetreten, die überschattet war von Konflikten. Wie waren die letzten Wochen für Sie?

Es war natürlich ein harter Einstieg, da waren viele Emotionen im Spiel nach dem Abgang von Stephan Märki. Die letzten Wochen waren eine wichtige Zeit, um das aufzuarbeiten, und die Aufarbeitung geht weiter. Wir wollen nichts beschönigen, aber auch nicht nur das Schlechte sehen. Wenn wir auf die letzten sechs Jahre zurückblicken, ist das Haus sehr gut unterwegs: Es steht finanziell stabil da, und es wird enorm viel produziert. Darauf wollen wir aufbauen.

Einen Imageschaden hat das Haus durch die Casa Märki dennoch davongetragen. Wie beurteilen Sie diesen? Und wie wollen Sie ihn beheben?

Den Imageschaden bedauern wir natürlich. Es gibt zwei Wege, damit umzugehen. Der eine ist die Kultur im Haus, der andere ist die Kommunikation. Ein gutes Image hat man nicht einfach so, man muss etwas dafür tun. Es ist aber nicht so, dass wir in einer Krise stecken, die nicht zu bewältigen wäre. Wir werden versuchen, aktiv und transparent zu agieren, ausserdem wollen wir mit der Stadt, der Bevölkerung und den Medien in einen Dialog treten.

Inans Vertrag läuft bis zur Spielzeit 2020/21. Dann wird die neue Intendanz bestimmt. Damit verbunden sind in der Regel auch personelle Wechsel. Was würde das für die Schauspielleitung bedeuten?

Die Verträge aller Direktionen laufen bis 2020/21. Wenn jedoch von beiden Seiten eine Verlängerung gewünscht ist, sind wir offen. Ein neuer Wind im Haus kann auch durch Kontinuität entstehen. Es ist eine Kunst, an dem zu wachsen, was man bereits erfolgreich betrieben hat.

Gilt der Wunsch nach Kontinuität auch für das aktuelle Führungsmodell, also vier Spartenleiter und ein Intendant mit künstlerischer Endverantwortung?

Das Berner Modell ist ein Erfolg. Wir haben ein Vierspartenhaus – das zusammenzuhalten, ist wichtig. Da braucht es eine Moderation und eine Führungsrolle, also eine Person, die neben einer Management- auch eine künstlerische Kompetenz mitbringt. Wir sind dabei, eine Findungskommission einzuberufen mit Experten, die sich diesem Thema widmen.

Trotzdem: In den letzten Wochen wurde immer wieder ein demokratischeres Führungsmodell gefordert.

Wir haben bereits ein sehr demokratisches Modell. Die einzelnen Spartenleiter haben ihre Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Und dann gibt es eine Gesamtmoderation, um zu vermitteln und eine Balance zwischen den vier Sparten zu finden. Ausserdem geht es auch ums Gesamtverständnis von KTB. So entsteht idealerweise ein Miteinander, in dem die Kompetenzen klar geregelt sind. Das ist ein sehr moderner Ansatz. Klar, dieses «demokratische» Modell ist konfliktanfälliger, da nicht nur eine Person bestimmt. Aber dem wollen wir uns stellen.

Wie tun Sie das?

Wir sind dabei, einen Verhaltenskodex zu erarbeiten, dabei ist auch die Transparenz sehr wichtig. Und wir suchen für die Intendanz vor allem eine starke Persönlichkeit für Bern, die den Zuschauern Freude bringt.

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