Was soll das Theater?

Am Theaterfestival der Gruppe Skilt entdeckt man en passant die Möglichkeiten und Grenzen des modernen Theaters.

Skilt sind: Bernhard Schneider und Elisabeth Caesar.

Skilt sind: Bernhard Schneider und Elisabeth Caesar.

(Bild: zvg)

Was ist Promenadologie? Der Begriff klingt nach einer Art Knigge fürs Flanieren an der Mittelmeerküste. Allerdings geht es nicht um die Wahl von Spazierstock und Route oder um das respektvolle Grüssen von Hundehaltern, sondern um eine vom Soziologen Lucius Burckhardt begründete Methode, seine Umwelt bewusster wahrzunehmen und als wandelbar zu begreifen.

Wandelnd soll denn am heuer zum zweiten Mal stattfindenden Theaterfestival Skilt auch ein Zugang zum modernen Theater geschaffen werden. Ein gemeinsamer Spaziergang (Do bis Sa, 19 Uhr) führt die Besucher von den urbansten Plätzen der Innenstadt (Bollwerk und Reitschule) zu den naturnahesten (Aareufer). Die Übergänge sind fliessend. «Dasselbe gilt fürs Theater», sagt Elisabeth Caesar, die eine Hälfte der Gruppe Skilt, unter deren Leitung das Festival stattfindet. «Es kann gleichzeitig Tanzperformance, Filmaufführung, Lesung und Kunstinstallation sein.» Zum Beispiel versteht und liest der Autor Michael Fehr (Freitag, 22.15 Uhr) seine Texte als Partituren, nicht nur als semiotische, sondern als klangliche Konzepte.

Während Definitionen gerade in der Kunst schwierig sind, weil sie einengend wirken, kann die völlige Loslösung von Formalem jedoch dazu führen, dass man sich auf seinem Spaziergang in der Beliebigkeit verliert. Denn die Leitfrage – gleichsam das Kreuz auf der Landkarte – ist, was das Theater denn eigentlich (sein) soll und kann. Die dazu an allen drei Tagen stattfindende Diskussion steht sowohl den Auftretenden als auch den Besuchern offen und wird zum Teil von geladenen Experten (beispielsweise vom Berner Philosophen G. J. Lischka, Freitag, 20 Uhr) geführt. Doch auch die Grenzen zwischen Besucher und Schauspieler verschwimmen. In Gruppen von acht Leuten wird jeweils zu Abend gegessen (Do bis Sa, 18 Uhr), wobei jeder am Tisch in eine individuelle Rolle schlüpft.

Der Bund

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