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Vom Szenegänger zum Bühnenheld

Die Bühnenadaption von Martin Suters Geri Weibel wurde am Samstag im Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt. Der Szenegänger liess mal wieder kein Fettnäpfchen aus.

Prominente Besetzung: Michael Neuenschwander als Geri, rechts, und Mike Müller als Peter bei einer Probe von «Geri».
Prominente Besetzung: Michael Neuenschwander als Geri, rechts, und Mike Müller als Peter bei einer Probe von «Geri».
Keystone
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«Geri» von Martin Suter und Stephan Eicher ist am Samstag am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt worden: ein originelles, mitreissendes Singspiel für ein neunköpfiges Ensemble.

Wer zwischen 1992 und 2007 das «NZZ Folio» las, kennt Geri Weibel. Der Held von Martin Suters Kolumnen «Richtig leben mit Geri Weibel», die mittlerweile auch in Buchform vorliegen, ist ein Zürcher Szenegänger, der um jeden Preis alles richtig machen will - und dabei kein Fettnäpfchen auslässt.

Hölzern und eckig

Und nun steht dieser Geri Weibel also leibhaftig vor einem, verkörpert durch Michael Neuenschwander - und er sieht genauso aus, wie man ihn sich vorgestellt hat: ungelenk, hölzern, eckig. Wie er da zu Beginn der Vorstellung nervös an seiner neuen Brille herum rückt, schliesst ihn das Publikum gleich ins Herz.

Dafür sind die andern Besucher der Bar Limbo, wo die von Stefan Bachmann inszenierte Produktion hauptsächlich spielt, umso cooler: Susi Schläfli (Carol Schuler), Robi Meili (Martin Rapold), Freddy Gut (Jan Bluthardt), Carl Schnell (Nicolas Rosat), Peter (Mike Müller), Rita (Susanne-Marie Wrage), Charly (Roberto Guerra) und Aira (Sarah Hostettler).

Ensemble-Lieder

«Was dörfs sii?» Mit dieser Frage des Barkeepers beginnt Geris allabendliche Tortur. «Sölli ächt e Bloody Mary? Mit chli Sellerie? Oder sägeds dänn: Hey Geri! D Eighties sind verbii?», singt Geri. Und dann den Refrain: «Was dörfs sii? Was dörfs sii? Di schwerschti Frag im Läbe. Debii sii. Debii sii. Oder voll denäbe.»

Geri beginnt den Song allein, begleitet von den drei Musikern um den Pianisten Jean-Paul Brodbeck, die auf einem Podest in der Mitte der von Hugo Gretler gestalteten Bühne spielen. Nach und nach stimmen die andern Figuren mit ein, bis zuletzt das gesamte überzeugende Ensemble gemeinsam singt; nach diesem Prinzip funktionieren alle sechzehn Lieder.

Fast ein Happy End

Stephan Eicher, der seinen schweizerdeutschen Songs seit langer Zeit gerne die raffinierten Texte von Martin Suter unterlegt, hat für «Geri» gemäss eigener Aussage «Jazz mit ein bisschen achtziger Jahre» komponiert: bald fetzige, bald melancholische Klänge, passend zum tragischen Helden des Singspiels.

Anders als in den Kolumnen macht Geri auf der Bühne jedoch eine Wandlung durch. Beflügelt durch die Liebe zur schönen Aira, pfeift er auf alle (ungeschriebenen) Szenenregeln und setzt sich kurzerhand in die Karibik ab - wo er dann allerdings doch nicht so recht aus seiner Haut kann. - Das Premierenpublikum tobte am Schluss vor Begeisterung.

SDA/mrs

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