Verführ sie mit deinen Reimen

Rappender Teenager statt französischer Dichter: In «Das schönste Mädchen der Welt» mit der Zürcherin Luna Wedler wird ein Theaterstoff modern interpretiert.

Die coole Roxy und Aussenseiter Cyril.

Die coole Roxy und Aussenseiter Cyril.

Jugendliche sind gemein. Als sich Cyril (Aaron Hilmer) im Car für den Schulausflug nach Berlin hinsetzen will, zeigen seine Mitschüler auf seine grosse Nase, keiner macht für ihn den Platz frei. Da steigt überraschend eine neue Schülerin zu: Roxy (Luna Wedler). Sie ist hübsch, sie ist frech, und sagen lässt sie sich erst recht nichts.

«Du hast so einen grossen Mund. Wie viele Eier passen denn da rein?», fragt ein Junge. «Wie viele passen denn in deinen?», retourniert sie und hat die Lacher auf ihrer Seite. Sofort verliebt sich die halbe Klasse in sie. Setzen tut sie sich dann ausgerechnet neben Cyril.

Lose Adaption von «Cyrano de Bergerac»

«Das schönste Mädchen der Welt» ist eine lose Adaption von Edmond Rostands Drama «Cyrano de Bergerac» (1897). Auch Cyrano hatte einen grossen Zinken, getraute sich deswegen nicht, um seine Angebetete zu werben, und liess ihr seine Liebesgedichte stattdessen von einem schönen Jüngling vortragen.

Jetzt im Film ist es der muskulöse Rick (Damian Hardung), der nichts, aber auch gar nichts im Kopf hat, was leider etwas zu plump dargestellt wird. Abgesehen von ein paar anderen Patzern – zum Beispiel, wenn die Mutter (Anke Engelke) Cyril zeigt, wie man den Gummi überstreift, bevor sie mit der Banane Oralsex simuliert –, ist der Film aber gut gelungen.

Raptexte statt Gedichte: «Das schönste Mädchen der Welt». Video: YouTube/Impuls Movies

In dieser modernen Version gehts übrigens nicht mehr um Gedichte, sondern um Raptexte. Mit einer goldenen Maske geschützt, getraut sich Cyril in Berlin vor Publikum und tritt gegen andere Rapper an. Natürlich gewinnt er. Roxy, die den Auftritt sieht, aber denkt, Rick stecke hinter der Maske, verliebt sich in den Wortakrobaten.

So geht Verführung im 21. Jahrhundert

Die Verwechslungskomödie nimmt ihren Lauf. Bald schickt Cyril dem Mädchen im Namen von Rick wortgewandte Liebesbotschaften als Audiodatei und gewinnt damit erst recht ihr Herz. So funktioniert Verführung im 21. Jahrhundert.

Besonders hervorheben muss man auch die Mädchenfigur, die hier als Angebetete nicht einfach eine passive Projektionsfläche ist, sondern ihr Leben selbst in die Hand nimmt, sich irrt und Fehler macht, aber immer für sich und andere einsteht. Grossartig verkörpert wird sie von der Zürcherin Luna Wedler («Blue My Mind»).

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