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Realitätsexzess oder Theaterrettung?

Am Zürcher Theaterspektakel zeigt das Stück «The Camouflage Project» die Storys zweier Tamilen in der Schweiz – und bleibt weit hinter den Möglichkeiten des Doktheaters zurück.

«Miss Integration» Gaya und Schauspielkollege Patrick zeigen in «The Camouflage Project», was Multikulti und Integration bedeuten. Foto: Christian Altofer (ZTS)
«Miss Integration» Gaya und Schauspielkollege Patrick zeigen in «The Camouflage Project», was Multikulti und Integration bedeuten. Foto: Christian Altofer (ZTS)

Da sitzen sie am Rand der schwarzen Bühne auf klapprigen Stühlchen und starren unversöhnt vor sich hin. Sie, abgeschminkt, im Schlabberlook, er in Jeans, mit hotzenplotzeskem Bart: Entspannen Sie sich, wir sind keine Exoten, grient uns der Look zu. Keine Entspannung aber gibts für seine Träger.

«Gaya fragt, wieso ich nicht längst eigene Projekte ohne Blick auf die Vergangenheit auf die Beine gestellt habe, wenn ich so von Innovation schwärme, und ob ich hier bloss eine Art Psychotherapie betreibe», stellt der Mann trocken fest. Die Frau resümiert: «Patrick fragt, ob meine Beschäftigung mit der Tradition nur von Sentimentalität getrieben ist, von der Sehnsucht nach einem Fantasma; oder gar vom Wunsch, den Eltern zu gefallen.» Die Eltern sind übermächtige Figuren in den Biographien der zwei Tamilen, die in der Schweiz leben. Aber wie sie mit ihnen heute umgehen und wie die Ansprüche der Tradition ihren Alltag grundieren: das ist so unterschiedlich, als kämen sie von verschiedenen Planeten.

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