Ein neuer Kopf für die «Effinger-Familie»

Nach 23 Jahren kommt es am Theater an der Effingerstrasse zum ersten Leitungswechsel: Der österreichische Regisseur Alexander Kratzer übernimmt das Haus im Sommer 2020.

«Nicht unbedingt Stücke zerschmettern»: Alexander Kratzer (r.).

«Nicht unbedingt Stücke zerschmettern»: Alexander Kratzer (r.).

(Bild: Severin Nowacki)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Das Berner Theater an der Effingerstrasse bekommt eine neue künstlerische Leitung: Auf Markus Keller, der das Haus seit 23 Jahren zusammen mit Ernst Gosteli geleitet hat, folgt im August 2020 der Innsbrucker Regisseur und Schauspieler Alexander Kratzer. Dem Berner Publikum ist Kratzer bereits bekannt: Seit zehn Jahren inszeniert er immer wieder am Theater an der Effingerstrasse; im September 2018 war von ihm zuletzt Dürrenmatts «Romulus der Grosse» zu sehen, und im Juni zeigt er zum Saisonabschluss Neil Simons «Sonny Boys».

Als neuer Leiter wolle er «das treue Stammpublikum halten», aber zugleich neue Zuschauerinnen und Zuschauer gewinnen, sagt Alexander Kratzer. Um dies zu erreichen, plant er, jüngere Leute ans Theater zu holen und dadurch «innovativere Zugänge» zu ermöglichen. Gleichzeitig soll die künstlerische Ausrichtung des Hauses aber «in der Tradition bleiben», so Kratzer. «Wir wollen wie bisher Geschichten erzählen auf der Bühne und Stücke nicht unbedingt zerschmettern.»

«Das Theater ist zu wenig sichtbar in der Stadt»Alexander Kratzer

Mehr Präsenz

Handlungsbedarf sieht Alexander Kratzer auch, was die Vernetzung des Theaters betrifft. «Wir haben eine gute Abonnenten- Betreuung am Haus, und es gibt fast so etwas wie eine Effinger-Familie.» In der Stadt aber sei das Theater zu wenig sichtbar. Das möchte Kratzer ändern und dem Haus etwa durch Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen, etwa mit Kinos oder Konzertlokalen, zu mehr Präsenz verhelfen.

Ein unabhängiger Leiter

Präsent bleibt derweil auch der bisherige künstlerische Leiter Markus Keller: Gemeinsam mit Ernst Gosteli bleibt er Inhaber des Theaters und wird laut eigener Aussage weiterhin zwei Stücke pro Spielzeit inszenieren. Hat Alexander Kratzer keine Zweifel, unter diesen Vorzeichen wirklich frei agieren zu können als neuer Leiter? Es sei für ihn eine Bedingung für den Posten gewesen, unabhängig entscheiden zu können, so Kratzer. «Ab 2020 entspricht der Spielplan am Theater an der Effingerstrasse meiner künstlerischen Handschrift.»

Der Leitungswechsel an der Effingerstrasse ist der erste überhaupt – also seit 1996: Damals übernahmen Markus Keller und Ernst Gosteli das damalige Atelier-Theater am gleichen Standort, nachdem diesem die städtischen Subventionen gestrichen wurden.

«Nicht unbedingt Stücke zerschmettern»: Alexander Kratzer. Foto: Severin Nowacki

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