«Mit Gott stimmt etwas nicht»

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt mit «Gott der Allmächtige» eine vergnügliche Satire, in der ein grantiger und manchmal allzumenschlicher himmlischer Vater Rede und Antwort steht.

Eine ziemliche Nummer, dieser Gott: Uwe Schönbeck mit seinem Assistenten, dem Erzengel Gabriel (Aaron Frederik Defant, l.).<p class='credit'>(Bild: Severin Nowacki (zvg))</p>

Eine ziemliche Nummer, dieser Gott: Uwe Schönbeck mit seinem Assistenten, dem Erzengel Gabriel (Aaron Frederik Defant, l.).

(Bild: Severin Nowacki (zvg))

In der Wüste habe er die Form eines brennenden Dornbusches angenommen, heute Abend sei er in den Schauspieler Uwe Schönbeck gefahren, sagt derselbe auf der Bühne des Theaters an der Effingerstrasse. Während rund 90 Minuten leiht Schönbeck im Stück «Gott der Allmächtige» dem Himmelsvater seinen Körper und lässt diesen durch sich sprechen. Der Grund: Seine Zehn Gebote würden ihm langsam, aber sicher zum Hals raushängen, sagt Gott, darum sei es an der Zeit, neue zu verkünden.

Gott der Allmächtige» basiert auf dem Bestseller «Das Letzte Testament: die Memoiren Gottes» des amerikanischen Comedy-Autors David Javerbaum, der nicht nur preisgekrönter Produzent der Nachrichtensatire «The Daily Show» ist, sondern auf Twitter auch als Gott Nachrichten absetzt («Berner Woche» vom 14. Februar). Am Broadway feierte das Stück grosse Erfolge – im Theater an der Effingerstrasse wird schnell klar, warum.

Der Himmel, eine Notrufzentrale

Er ist eine ziemliche Nummer, dieser Gott, wie er da im biederen, überdimensionalen Sakko, geringelten Socken und karierten Hausschuhen (Kostüm: Sybille Welti) auf einem Sofa sitzt und aus seinem göttlichen Alltag plaudert. Bei der Erschaffung der Erde seien die Pflanzen eine elende Plackerei gewesen («Bäume sind blöd»), vor dem Rauswurf aus dem Paradies sei Eva ein Ewald gewesen und Noah sei ein Depp, der den Arche-Auftrag falsch verstanden habe. Und ja, natürlich sei die sogenannte «Evolution» Teil seines Plans gewesen. Er habe extra Hinweise auf diese gefälscht. Wozu? «Sie sollten mal sehen, wie viel Spass es macht, Naturwissenschaftler in die Hölle zu schicken», sagt Gott und kichert.

Dem Allmächtigen zur Seite steht dessen «Genesistent» Erzengel Gabriel (Aaron Frederik Defant), der mit wallendem Haupthaar und Bart, nacktem Oberkörper, weisser Hose und High-heels mit Schlangenmuster eine Eleganz ausstrahlt, die tatsächlich nicht so ganz von dieser Welt zu sein scheint. Gabriel ist es denn auch, welcher mit seinem Geist vermeintliche Fragen aus dem Publikum aufgreift und an Gott weiterleitet. Warum es denn so viel Leid auf der Welt gebe, wird da etwa gefragt, und ob Gebete erhört würden? Der Himmel sei eine riesige Notrufzentrale und er der einzige Operateur, sagt Gott ausweichend und etwas grantig. Man solle ihm also bitte nicht sagen, was er zu tun habe und vor allem solle man aufhören, ständig seinen Namen zu schreien – insbesondere beim Sex.

Schauspieler Uwe Schönbeck ist ein Glücksgriff für die Rolle Gottes, vermag er es doch, dessen komplexe und manchmal allzumenschliche Wesensart perfekt zu verkörpern. Mal ist er sympathischer und lustiger Schalk, dieser Gott, der spontane Jazz-Improvisationen mag (Musik und Spiel: Andreas Krämer), über Fussballer und Showbusiness herzieht, und in den 80er-Jahren offenbar gerne Dallas guckte. Gleichzeitig ist er aber auch kindisch, launisch und jähzornig. «Ich bin ein eifersüchtiger massenmordender Narzisst», sagt er an einer Stelle und: «Mit Gott stimmt etwas nicht».

Selbstverliebter alter Mann

«Gott der Allmächtige» ist eine vergnügliche Satire, welche dank gelungener Besetzung, lustiger Schnoddrigkeit und fantasievollem Witz bestens unterhält und dabei gleichzeitig die menschliche Instrumentalisierung einer Gottfigur entlarvt. Vor allem gefällt auch die sympathische Unverfrorenheit, mit welcher die textliche Vorlage oft debattierte und vereinnahmte Bibelstellen sowie Gottes widersprüchliches Wesen angeht. Er habe die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, sagt Gott an einer Stelle. Entsprechend unperfekt ist also auch der Allmächtige selber.

In diesem Sinne ist das Stück in der Inszenierung von Stefan Meier auch als Aufforderung zu verstehen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen und nicht einfach alles einem launischen, selbstverliebten und inkompetenten alten Mann mit Beziehungsproblemen in die Schuhe zu schieben.

Weitere Vorstellungen bis 15. März. www.dastheater-effingerstr.ch.

Der Bund

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