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Mike Müller: «Zum Proben fehlt die Zeit»

Er ist der wohl meistgefragte Schauspieler der Schweiz. Mike Müller äussert sich im grossen Interview zu seinem Engagement im Schauspielhaus, dem Verhältnis zu Viktor Giacobbo und zu seinem Hund Lupo.

Mit Viktor Giacobbo in der Sendung «Giacobbo/Müller» auf SF 1.
Mit Viktor Giacobbo in der Sendung «Giacobbo/Müller» auf SF 1.
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Eine Figur Müllers bei «Giacobbo/Müller»: Der um Integration bemühte Kosovo-Albaner Mergim Muzzafer.
Eine Figur Müllers bei «Giacobbo/Müller»: Der um Integration bemühte Kosovo-Albaner Mergim Muzzafer.
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Barbara Weber, Mike Müllers Freundin, ist Co-Direktorin des Theaters Neumarkt, zusammen mit Rafael Sanchez. Im Neumarkt wird Müller «Lupos Hundeshow mit Mike Müller» zeigen.
Barbara Weber, Mike Müllers Freundin, ist Co-Direktorin des Theaters Neumarkt, zusammen mit Rafael Sanchez. Im Neumarkt wird Müller «Lupos Hundeshow mit Mike Müller» zeigen.
Keystone
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Als Schauspielhaus-Chef Matthias Hartmann noch in Bochum war, holte er Harald Schmidt als Gast, in Zürich holt er Sie… Tönt gut, der Vergleich funktioniert aber nicht ganz. Ich spielte schon im Schauspielhaus, bevor ich die Sendung machte.

Wie reagieren die anderen Schauspieler auf Sie? Die meisten haben mich noch nie im TV gesehen. Theaterleute schauen eher amerikanische Serien auf DVD als Schweizer Comedy. Einen Exotenstatus habe ich nicht – da gibt es noch ganz andere Leute hier. Das Theater hat sich ohnehin sehr geöffnet gegenüber Leuten, die nicht den klassischen Weg hinter sich haben.

Dennoch kommen Sie auch im Schauspielhaus aus ihrer Komiker-Rolle nicht ganz heraus. Sowohl jetzt bei «z.B. Der gestiefelte Kater» und auch letztes Jahr im «Hamlet» redeten Sie mit Schweizer Akzent oder gar Schweizerdeutsch. Jan Bosse, der Regisseur der Stücke, spielt gerne mit Dialekten. In beiden Produktionen wirkten nur wenige Schweizer Schauspieler mit, da traf es halt mich. Im «Kater» wurde mir der Schweizer Akzent auch angekreidet, doch das ist mir egal. Bei früheren Schauspielhaus-Produktionen habe ich übrigens normales Bühnendeutsch gesprochen.

Es gibt wenige Schauspieler, die sowohl im Komiker-Fach wie auch im Schauspiel auf hohem Niveau mithalten können. Weshalb? Das sind zwei getrennte Welten, allein schon institutionell. Obwohl es auch im Schauspielhaus Leute gibt, die sehr begabt wären für Stand-up-Comedy. Aber man kann ja nicht alles machen…

…ausser man heisst Mike Müller… Auch ich mache nicht alles. Meine Ressourcen sind beschränkt.

Dennoch sind sie überall zu sehen. Können Sie schlecht Nein sagen? Das ist sicher eine Schwäche von mir. Andererseits mache ich gerne viele unterschiedliche Sachen – solange ich es zeitlich auf die Reihe bringe.

In der Casinotheater-Produktion «Erfolg als Chance» macht sich Viktor Giacobbo darüber lustig, dass Sie ins «Subventionstheater» gehen. Darum ist die Produktion so ideal, weil wir alle unsere Widersprüche, Animositäten und Schwachstellen ausspielen können.

Sie spielen mit Viktor Giacobbo Theater, machen mit ihm eine TV-Sendung, haben mit ihm schon Filme gedreht. Gehen Sie einander nicht langsam auf die Nerven? Bisher nicht. Natürlich gibt es ab und zu kleinere Auseinandersetzungen, doch dies ist normal, wenn man so eng zusammenarbeitet. Wir wussten von Anfang an, worauf wir uns einlassen.

Ihre Freundin, Barbara Weber, ist seit neuestem Direktorin des Theaters Neumarkt in Zürich, zusammen mit Rafael Sanchez, einem jungen, intelligenten und gut aussehenden Mann. Ist das ein Problem für Sie? Dieser junge, intelligente und gut aussehende Mann hat praktisch ein Jahr bei uns gewohnt. Ich konnte diese Beziehung aus nächster Nähe kontrollieren und habe mich zu einer Freigabe entschieden.

Ist die Beziehung zwischen Weber und Sanchez vergleichbar mit jener zwischen Giacobbo und Müller? Nein, die sind noch unterschiedlicher als wir, es sind halt Regisseure… Im Ernst: Auch sie pflegen eine Art der Zusammenarbeit, bei der man sich sehr gut mögen muss, bei der man auch zusammenhalten muss, wenn es nicht so gut läuft. Von dem her ist das schon mit uns vergleichbar.

Wie entsteht die Sendung Giacobbo/Müller, wird da geprobt? Kaum, dazu fehlt uns die Zeit. Das System funktioniert so: Am Dienstag besprechen Viktor, Domenico Blass und ich per Telefonkonferenz, welche Einspieler wir zeigen. Am Donnerstag treffen wir uns mit drei Ideengebern und setzen die Themen fest. 12 bis 15 Autoren geben dann ihre Vorschläge in eine Datenbank ein. Am Freitag drehen wir, am Samstag erfolgt die Auswahl des Materials, am Sonntag machen wir dann noch einen Durchlauf und gehen dann auf Sendung.

Die Sendung lebt davon, dass Sie vom vorgesehenen Ablauf abweichen. Absolut. Das müssen wir so hinnehmen, auch wenn alles durchgeplant vielleicht besser wäre – doch das geht zeitlich nicht.

Wäre es dann wirklich besser? Wenn es durch die Spontaneität charmant wird, ist es natürlich toll. Wenn es holprig wird, weniger. Das ist das Risiko einer Live-Sendung.

Wen hätten Sie am liebsten noch als Gast in der Sendung? Alle, die in der nationalen Politik Einfluss haben. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die absagen…

…wer zu Beispiel? Das sage ich sicher nicht. Ich kann auch verstehen, dass sich nicht jeder aussetzen will.

Denken Sie, Sie sind auch schon zu weit gegangen? Zum Beispiel bei Oskar Freysinger? Nein. Wer austeilt muss auch einstecken können. Das gilt auch für uns selbst. Wir wurden am Anfang ziemlich kritisiert, das gehört dazu. Herr Freysinger hat übrigens ziemlich locker reagiert, ich fand ihn einen guten Gast. Aber es muss nicht immer gleich kontrovers sein.

Und sonst beim Humor, wo liegen die Grenzen? Die Grenzen werden durch den Geschmack gesetzt. Gesinnungslacher zum Beispiel finden wir peinlich; also wenn Leute bereits lachen, wenn wir den Namen eines bestimmten Politikers nur nennen.

Sie haben auch schon Solo-Kabarett-Nummern vorgeführt. Gibt’s auch einmal ein abendfüllendes Programm? Ich habe mir das auch schon überlegt, irgendwie ist es aber nie dazu gekommen. Vielleicht war das nicht zufällig. Es gibt nicht viele Leute, die abendfüllend interessant sind. Leute, die das wirklich schaffen, wie Joachim Rittmeyer oder Georg Schramm, bewundere ich umso mehr.

Der nächste denkbare Schritt in Ihrer Karriere wäre eine Saison im Circus Knie. Das ist kein Thema. Ich habe den Circus durch Viktor näher kennen gelernt und schätze Fredy Knie ausserordentlich, der im übrigen einen äusserst trockenen Humor hat.

Und er hat noch nie gefragt? Ich weiss nicht genau, was ich dort machen könnte. Es braucht sehr spezielle Fähigkeiten, um im Knie eine gute Show zu machen, das ist nicht so einfach. Ich müsste neue Figuren kreieren, die das Publikum noch nicht kennt. Als Komiker im Zirkus muss man die Situation blitzschnell in den Griff kriegen – bei 2500 Leuten pro Vorstellungen ist das krass. Es wäre toll, aber man muss es sich gut überlegen.

Einen Hund für eine Tiernummer hätten Sie ja schon. Wo ist Lupo eigentlich jetzt während den Vorstellungen? In der Garderobe eingesperrt. Ganz alleine, meistens. Gute Theaterhunde schlafen während den Vorstellungen unter dem Technikerpult und wissen beim Schlussapplaus, dass nun fertig ist. Der Hund von Nadja «Nadeschkin» Sieger, Mocca, ist so, jener von Brigitt Maag von Karl’s Kühne Gassenschau ebenfalls. Das wäre auch mein Ziel, Lupo ist aber noch weit davon entfernt.

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