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Klischees auf hoher See

Matto Kämpf hat für das Theater Max das Stück «Martha und die Seeräuberpiraten» geschrieben. Eine nicht ganz unproblematische Angelegenheit.

Am Steuer: Die ausgebüxten Seniorenpiraten des Theaters Max.
Am Steuer: Die ausgebüxten Seniorenpiraten des Theaters Max.
zvg

Die Idee ist gut: Da büxen vier alte Menschen aus ihrem Wohnheim aus, entfliehen der allnachmittäglichen Tristesse des Crèmeschnitten-Essens und stehlen sich auf einen Spielplatz, wo sie ihre Abenteuerlust entfachen. Die Altersheimrebellen werden zu Piraten und tauchen ein in eine Wunderwelt, in der ulkige Fische, ein Papphai und Holzschiffe auftauchen. So weit alles gut.

Matto Kämpf hat gemeinsam mit dem Ensemble ein Stück geschrieben für das Theater Max, eine freie Berner Theatergruppe, die Künstlerinnen und Künstler aus allen Bereichen zusammenbringt, um Produktionen für ein junges Publikum zu realisieren. Eigentlich passt das ja perfekt, wenn Kämpf Theater für Kinder schreibt, ist er doch Autor eines Buches mit dem Titel «Der Rabenvater» und bekannt für seinen Humor am Rande des Wahnsinns, in dem Tiere, Kinder und vor allem er selbst ihr Fett wegkriegen. So also darf von «Martha und die Seeräuberpiraten» im Kulturhof Schloss Köniz einiges erwartet werden.

«Usgrächnet e Frou!»

Löblich die Ausgangslage: Ausgerechnet Martha, die einzige Frau in der Clique, darf Kapitän sein. Das wird dann auch lauthals kundgetan: «Dr Kapitän isch usgrächnet e Frou!» Aber statt ihr die Rolle als solche einfach zu lassen, wird ausgerechnet hier mit Klischees geklotzt, entpuppt sich Martha (Karin Maurer) doch als unfähige Kapitänin, die ihrer Mannschaft (Luzius Engel, Christoph Hebing, Jost Krauer) Bratwurst, Sirup, Goldschätze und Seeungeheuer verspricht, aber am Ende doch nur Zwieback, Wasser und Langeweile liefert. Zur Strafe wird sie an den Mast gefesselt und samt Segel gehisst, damit die Herren in Ruhe übernehmen können. Dazu die Parole: «Frau am Steuer, ungeheuer / Mann am Steuer, Abenteuer».

Es sind diese Momente, in denen man dem Kind, das da neben einem sitzt, am liebsten die Ohren zuhalten würde. Muss das sein? Darf die Kapitänin nicht einfach mal ihre Arbeit tun, ohne daran erinnert zu werden, dass sie eine Frau ist? Das Spiel mit dem Klischee gelingt aber dort, wo der heldenhafte, starke Pirat demontiert wird: In «Martha und die Seeräuberpiraten» ist er ein herrlich ungelenker Verlierertyp. Es gibt also trotz allem einige Momente, in denen einem das Herz aufgeht; etwa als die Crew glaubt, ein Schiff gesichtet zu haben und dieses dann ungalant abschiesst. Und dann gibt es einen Wert, den diese Produktion auf sicher hat: die Tonspur!

Blubbersturm im Wasserglas

Mark Oberholzer von der Berner Mundartgruppe Tomazobi zaubert in charmanter Lo-Fi-Qualität – mit Loopgerät, Plastiktrommel, Trompete und Alleinunterhalterpiano – ein bezauberndes Klangszenario, das in allen Tonarten schimmert und in seiner Einfachheit rührend ist. Etwa dann, wenn sich die Protagonisten ins Wasser stürzen und Oberholzer mit einem Strohhalm in ein mit Wasser gefülltes Glas bläst und die daraus resultierenden Blubbergeräusche durchs Mikrofon schickt. Mit angeschlagener Stimme singt er den Hochsee-Blues und sorgt mit simpelsten Mitteln für Musicalstimmung.

«Martha und die Seeräuberpiraten» ist ein leidenschaftlich inszeniertes Theaterstück, das aber ohne die Geschlechtervorurteile definitiv noch besser würde.

Weitere Vorstellungen bis 26. März. Ab Mittwoch, 8. März, im Brückenpfeiler Bern. Das Stück eignet sich für Kinder ab sechs Jahren. www.theatermax.org

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