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Klein Jesuskind, liegst gut im Futter

Für einmal sind sie nicht stumme Kreaturen im Stall von Bethlehem: Im Theater Matte sind «Ox und Esel» gar nicht auf den Mund gefallen – und finden plötzlich ein Menschenkind in ihrer Wohngemeinschaft.

Eine glückliche kleinfamilie mit Kind: Ox (Hans Witschi) und Esel (Peter Glatz) entwickeln zarte Elterngefühle - und der Engel (Carla Keller) wacht.
Eine glückliche kleinfamilie mit Kind: Ox (Hans Witschi) und Esel (Peter Glatz) entwickeln zarte Elterngefühle - und der Engel (Carla Keller) wacht.
Michael Meier/zvg

Der Engel am Bühnenrand spielt auf dem Kontrabass die ersten Takte von «Stille Nacht» – später wird er auch dem kleinen Wesen in der Krippe verlockende Töne leihen. Der Stall zu Bethlehem ist leer, ausser einigen Strohballen und Kisten sowie einer Futterkrippe in der Mitte. Und schon kommt der erste Bewohner herein, die beissende Kälte draussen hinter sich lassend. Es ist der alte Ox, aus seinem Töffhelm mit Brille wachsen ihm stattliche Hörner. Ordnung muss sein zu Hause. Behutsam legt er sein fein säuberlich zusammengefaltetes Halstuch auf die Leiter und steckt eine weisse Serviette in den Ausschnitt seines blauen Italia-Trainers. Voller Vorfreude sabbert er genüsslich, stellt sich feierlich vor die Futterkrippe und beugt sich langsam hinunter. Der Ox hat einmal mehr einen strengen Arbeitstag auf dem Feld hinter sich, er freut sich auf sein Abendessen im Stall. Aber, was ist denn das, was liegt da für ein weisses Bündel auf seinem feinen Futter? Der herbeigerufene Esel – gar nicht etwa störrisch, sondern eine lebenslustige, verschmitzte Plauderertasche – staunt nicht schlecht und weiss Bescheid: ein Menschenkind. Niemand sonst ist weit und breit zu sehen, keine Menschenseele.

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