«Kinder sind nicht anders gestrickt als früher»

Monika Demenga spricht im Interview über behutsame Geschichten mit Puppen und den Evergreen «D’ Glaschugle». Sechs Fragen an Monika Demenga.

Monika Demenga überlegt sich bald als Geschichtenerzählerin aufzutreten, die ihre Geschichten mit Figurenspiel untermalt.

Monika Demenga überlegt sich bald als Geschichtenerzählerin aufzutreten, die ihre Geschichten mit Figurenspiel untermalt.

(Bild: zvg)

Hanna Jordi

Frau Demenga, heuer starten Sie mit «D’ Glaschugle» in die Saison des Berner Puppentheaters - einem Puppenspiel, das Sie 1981 geschrieben und uraufgeführt haben. Kann dieser alte Stoff die Ränge füllen?
Da bin ich zuversichtlich. Für viele Bernerinnen und Berner sind mit der «Glaschugle» Kindheitserinnerungen verknüpft. Als wir das Stück vor fünf Jahren erneut gespielt haben, waren viele junge Leute unter den Zuschauern, die die Geschichte noch von den ersten Aufführungen her kannten - oder aus der Fernsehproduktion fürs Schweizer Fernsehen. Dieses «Spintisierstück» über das Mädchen Anja, die ihre Glaskugel verliert und auf ihrer Suche in fabelhafte Welten gerät und dort auf viele skurrile Gestalten wie den Chuderluuri trifft, ist ein Evergreen.

Werden die kleinen Zuschauer heuer exakt dieselbe Version zu sehen kriegen wie ihre Eltern vor über dreissig Jahren?
Ja, doch das war nicht vorgesehen. Eigentlich hatten wir vor, die Stabpuppen durch Tischpuppen zu ersetzen, weil das Spielen mit Stabpuppen wahnsinnig anstrengend ist, wenn man nicht mehr 20 ist. Beim Stabpuppenspielen ist man hinter einer kopfhohen Abdeckung verborgen und dirigiert die Puppen von da. Das ist, als würde man eine Stunde lang Glühbirnen einschrauben. Bei Tischfiguren dagegen führt der Puppenspieler die Figuren sichtbar auf einem Tisch. Ich hatte die Figuren auch schon umgebaut, doch irgendwie hat sich das Stück unserem Vorhaben widersetzt. Wir fühlten uns fehl am Platz auf der Bühne, die gehört wohl einfach Anja und ihren Freunden. Also beziehen wir jetzt wieder Stellung hinter der Abdeckung.

Viele Kinder haben einen Computer im Zimmer, sind sich Videospiele und 3-D-Filme gewohnt. Genügen da behutsame Geschichten mit Puppen als Darstellern, um ihre Aufmerksamkeit zu bannen?
Durchaus. Die Eindrücke, die Kinder heutzutage abrufen können, haben sich vielleicht verändert, doch die Kinder selbst sind nicht anders gestrickt. Gerade Kinder, die zu Hause auch fernsehen dürfen, sind verblüfft darüber, dass sie keine Scheibe vom Geschehen trennt. Es ist faszinierend, wie lebendig die Figuren in ihren Augen werden. Für sie fängt es an zu müffeln, wenn die Ghüderhäx die Bühne betritt.

Dann stellen Sie keinen Zuschauerschwund fest?
Nein, unsere Vorstellungen sind fast alle ausverkauft. Wir sind in der glücklichen Position, dass das Publikum, das wir früher als Puppenspieler ohne feste Bühne in der ganzen Schweiz aufgesucht haben, heute zu uns kommt. Manchmal besuchen uns gar Schulklassen aus Zürich.

Hatten Sie in all den Jahren nie Lust, selbst auf die Bühne zu treten, anstatt durch eine Puppe zu sprechen? Immerhin haben Sie Schauspiel studiert.
Tatsächlich habe ich nach der Ausbildung nur ganz kurz klassisches Theater gespielt. Dann nahm die Freude am Gestalten, Puppenbauen, am Geschichtenerfinden und -inszenieren Überhand. Ich vermisse nichts. Für das nächste Stück überlege ich mir allerdings, etwas sichtbarer zu werden auf der Bühne - als Geschichtenerzählerin, die ihre Geschichten mit Figurenspiel untermalt.

Was für Geschichten werden Sie erzählen?
Das kann ich nicht verraten - über ungebaute Puppen spricht man nicht.

Der Bund

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