Jazz zum Kaputtlachen

Helge Schneider setzte den humorigen Schlusspunkt des Festival da Jazz in St. Moritz. Im ausverkauften Dracula-Club swingte sich der deutsche Entertainer in gewohnt abstruse Gefilde.

Helge Schneider im Dracula-Club am Festival da Jazz St. Moritz 2019.

Helge Schneider im Dracula-Club am Festival da Jazz St. Moritz 2019.

(Bild: FotoSwiss.com/cattaneo)

Yann Cherix@yanncherix

Er singt: «Nackt in der Diskothek, niemand sieht mich.» Der Saal brüllt. Zwei Stunden sind an diesem Sonntagabend gespielt im Dracula-Club, diesem exklusiven Clubhaus, und Helge Schneider kann jetzt sagen und singen, was er will. 250 Menschen lachen. Sie tun es, wenn er kurz zur Panflöte greift. Sie tun es, wenn er sich eine Perücke auf den Kopf legt, den Taktstock schwingt oder in genuschelten Englisch Bluegrass persifliert.

Dieser Wirrkopf im quietschbunten Anzug ist jetzt ihr Helge; der lustige Kumpel, der seit Jahrzehnten die deutschsprachigen Fernsehzuschauer und Konzertbesucher in gute Stimmung versetzt. Warum, das weiss wohl niemand so genau. Denn Schneider, bald 64 Jahre alt, arbeitet ohne Pointen. Er mäandriert durch seine ganz eigene Gedankenwelt. Es ist nicht einmal ganz klar, was er ist. Musiker, Comedian oder Märchenerzähler. Mit diesem selbst geschaffenen Jobprofil hat sich der Mann aus dem Ruhrpott ein Millionenpublikum geschaffen. Mit Kunst, die eigentlich für die Nische prädestiniert ist.

Ein Phänomen

Dieser Ungreifbare spielt zum Abschluss an seiner Hammondorgel ein herrliches Solo, Duke Ellington swingt mit. Wer will, hört da auch Thelonious Monk raus, sein grosser Held. Sein ernsthaftes Spiel mit den Tasten zeigt: Schneider ist vor allem auch ein talentierter Jazzer, ein verblüffender Multiinstrumentalist, ein herausragender Improvisator. Doch ein guter Teil des Publikums scheint vor allem auf die nächste humoristische Einlage zu warten.

Der Grat ist schmal. Er ist Musiker, aber sein kommerzieller Erfolg fusst auf seinem Humor. Gibt er da zu viel, verkommt sein Konzert zum Klamauk. Als er einen anzüglichen Witz reisst, das Publikum sich daraufhin kugelt, sagt er nur: «Ich wusste, wie ich euch zum Lachen bringen kann.» Auf einen Zuruf aus dem Publikum, nun endlich Katzenklo, seinen grossen Hit, zu spielen, antwortet er trocken: «Keine Lust.» Und wieder lachen alle.

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