Heisse Luft mit Knoblaucharoma

Auawirleben eröffnet den Theaterreigen mit der ärgerlichen Inszenierung «Verein zur Aufhebung des Notwendigen».

Es könnte auch die Anlage für ein Managementseminar sein: die Aufführung von Meierhans am Auawirleben.

Es könnte auch die Anlage für ein Managementseminar sein: die Aufführung von Meierhans am Auawirleben.

(Bild: auawirleben/zvg)

Das ist der «Duft der Solidarität»: Es riecht nach gedünstetem Knoblauch, Fenchel und Kartoffeln. Fährt einem diese Mischung sonst ganz gut ein – in der Dampfzentrale, wo das Kesselhaus damit gefüllt ist, kommt einem der Appetit abhanden. Schuld daran ist nicht unbedingt die hygienisch unzimperliche Zubereitung des Zweigängers auf der Bühne. Auf den Magen schlägt vielmehr der Ärger über die Inszenierung, die das Theaterfestival Auawirleben eröffnet. Da verkauft einer einmal mehr mit einem Publikumsexperiment viel heisse – für einmal gewürzte – Luft.

Unter dem ambitiösen Titel «Verein zur Aufhebung des Notwendigen – A hundred wars to world peace» lässt der Genfer Performer Christoph Meierhans, der heute in Brüssel lebt und arbeitet, das Publikum ein «Abendessen über Demokratie als Verwirklichung unserer indi­viduellen und kollektiven Wünsche» ­kochen. Was alles schiefgehen kann, wenn verschiedene Köche am Werk sind, dafür braucht man nicht unbedingt die bekannten Sprichwörter zu bemühen. Doch Meierhans tut das, legt sie allerdings noch in viel gestelztes Gesülze ein, was ähnlich ungeniessbar ist wie der Apéro, den eine Zuschauerin aus Gemüse und Honig fabriziert.

Um alle 100 Teilnehmner an die Töpfe zu bringen, hat Meierhans ein Rezeptbuch mit 72 Schritten verfasst. Seine Anweisungen lassen viel Spielraum, der manchmal zum Unmut anderer Zuschauer arg ausgenützt wird. Wenn zum Beispiel der Frischkäse mit Curry zugepudert wird. Aber es könnte schlimmer kommen, wenn Meierhans – wie grossmundig angekündigt – in seiner Versuchsanlage den Kochlöffel ganz dem Publikum überlassen würde. Und so in Kauf nähme, dass dieses am Schluss an einer rohen Lammkeule herumkauen müsste. Doch dem ist nicht so.

Wie bereits bei seinem letztjährigem Auftritt am Aua, als er eine Alternative zum politischen System der Schweiz anpries, hat Meierhans auch hier wieder diskrete Helfer im Publikum, die dafür sorgen, dass der Fenchel gerüstet und die Omelette genug gross wird. Immerhin zwei Erkenntnisse liefert aber der Abend, den Meierhans ganz gut als Teambildungsübung für Managerseminare verkaufen könnte: Der Anblick von rohem Fleisch lässt Männergefühle wallen, und gratis ausgeschenkter Rotwein hebt die Stimmung.

Der Bund

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