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«Habe es genossen, beim Priester auf dem Schoss zu sitzen»

Der provokante Regisseur Christoph Schlingensief schaffte es trotz aller Skandale bisher nicht, aus der katholischen Kirche auszutreten. Nun erklärt er, weshalb das so ist.

Christoph Schlingensief erlag am 21. August 2010 seinem Krebsleiden.
Christoph Schlingensief erlag am 21. August 2010 seinem Krebsleiden.
Keystone
Der Künstler mit seiner Ehefrau, der Kostümbildnerin Aino Laberenz.
Der Künstler mit seiner Ehefrau, der Kostümbildnerin Aino Laberenz.
Keystone
2007 war Schlingensief im Migros Museum für Gegenwartskunst zu Gast. Es zeigte die Ausstellung «Querverstümmelung» mit Werken Schlingesiefs. Hier erklärt er einigen Journalisten sein Werk «Abendmahl von Manaus». Damals war nichts mehr von dem Rebellen und Provokateur spürbar, man erlebte ihn als ruhigen und bedachten Künstler. Ein letztes Mal war er dann 2009 in Zürich, wo er den Sterbe-Essay «Sterben lernen! Herr Anderson stirbt in 60 Minuten» am Theater am Neumarkt inszenierte mit einem Gastauftritt im Schauspielhaus.
2007 war Schlingensief im Migros Museum für Gegenwartskunst zu Gast. Es zeigte die Ausstellung «Querverstümmelung» mit Werken Schlingesiefs. Hier erklärt er einigen Journalisten sein Werk «Abendmahl von Manaus». Damals war nichts mehr von dem Rebellen und Provokateur spürbar, man erlebte ihn als ruhigen und bedachten Künstler. Ein letztes Mal war er dann 2009 in Zürich, wo er den Sterbe-Essay «Sterben lernen! Herr Anderson stirbt in 60 Minuten» am Theater am Neumarkt inszenierte mit einem Gastauftritt im Schauspielhaus.
Keystone
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Schlingensief schätzt in der Kirche die Stille Trotz aller Skandale schafft es der Regisseur Christoph Schlingensief bisher nicht, aus der katholischen Kirche auszutreten. «Ich schätze vor allem den Raum. Die Stille in der Kirche hat eine ganz besondere Kraft, die ich sonst nirgendwo finde», sagte der 49-Jährige, der als Kind Ministrant war, der «Süddeutschen Zeitung». Er warnte aber davor, mit gezieltem Schüren von Vorurteilen «dummdreiste Konservative» in die Kirche zu locken.

«Das Leben bietet doch so viel Gegensätzliches, Widersprüchliches, Absurdes, so viel Irrwitz und Wahnsinn. Da kann man doch nicht so tun, als gäbe es nur eine Wahrheit», sagte Schlingensief. Seiner Meinung nach «sollte man die Abteilung in der Kirche, die durch Geheimnistuerei ihre Macht ausbauen will, ruhig mal in die Schranken weisen». Besonders schlimm seien für ihn Pfarrer, die nur «langweilige, weichgespülte Predigten» hielten, sagte der Regisseur. «Immer nur Harmonie, das hält doch keiner aus.» Er selbst habe es als Siebenjähriger genossen, beim Kaplan auf dem Schoss sitzen zu dürfen: «Das war toll und hatte überhaupt nichts Anstössiges».

Der schwer an Krebs erkrankte Künstler, der derzeit für ein neues Theaterprojekt probt und sich seinem Operndorf in Burkina Faso widmet, fragt sich allerdings, «ob es für mich unbedingt ein Grab auf einem kirchlichen Friedhof sein muss». Die Vorstellung, «dass mir eine bestimmte Person einen Kranz aufs Grab legt», sei für ihn unerträglich. Im Moment, da er erneut unter Metastasen leide, habe er nur den Wunsch zu leben. «Meine Frau und ich hätten sehr gerne Kinder. Wir haben da eine grosse Sehnsucht. Aber es geht halt nicht», sagte Schlingensief.

ddp/phz

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