Golden Girl und chlini Häx

Die Schweizer Schauspielerin, Sängerin und Kasperlitheater-Ikone Ines Torelli ist 88-jährig gestorben. Ein Nachruf.

Ines Torelli an einer Vernissage im Stadthaus in Zürich 1994. Foto: Keystone

Ines Torelli an einer Vernissage im Stadthaus in Zürich 1994. Foto: Keystone

Susanne Kübler@tagesanzeiger

Sie war ein wahnsinnig nerviges Prinzessli Finöggeli, ein wirklich besonders fies-doofer Velochlauer, eine geheimnisvolle Eisprinzessin oder auch eine matronenhaft gestrenge Frau Mosimann: Wer mit den Kasperlitheater-Kassetten aufgewachsen ist, hat Ines Torelli zwar nicht in allen, aber doch in vielen ihrer Facetten erlebt. Allein mit der Stimme konnte sie ihre Figuren so genau charakterisieren, dass man sie zu kennen meinte. Und dass sie Spass hatte daran (und auch an der Zusammenarbeit mit Jörg Schneider und Paul Bühlmann), war nicht zu überhören.

Aber natürlich konnte sie bei weitem nicht nur Kasperlitheater. Als Schauspielerin, aber auch als Sängerin: «Gigi von Arosa» war ihr grösster Hit, eine hinreissend ironische Dialektversion des Dalida-Schlagers «Gigi l’amoroso». Um einen charmanten Skilehrer geht es darin, und Torelli setzte sich auch mal Skihelm und Skibrille auf, um ihn zu besingen.

Dass sie auftreten wollte: Das hatte die 1931 in St. Gallen als Ines Stierli geborene Ines Torelli früh gewusst. Zwar machte sie zunächst eine Schneiderinnenlehre; aber bei einer Talentschau im Rahmen eines Stadtfestes trat sie auf – und wurde von Oskar Hobi entdeckt, der sie zu seinem Cabaret Rüeblisaft holte. Später wechselte sie zum Cabaret Fédéral und zum Äxgüsi.

Eigene TV-Sendung «Torelli total»

In den 1960er-Jahren startete sie dann ihre Musicalkarriere. Ihr Mann Edi Baur, ursprünglich Theaterfotograf, produzierte Titel wie «Bibi Balu» oder «Golden Girl» mit ihr in der Hauptrolle; es waren Grosserfolge, «Golden Girl» etwa wurde über 600-mal gespielt. Auch in der «Kleinen Niederdorfoper» machte Torelli Furore; von Ruedi Walter habe sie am meisten gelernt, hat sie einmal gesagt, «er hat mich gelehrt, langsam zu sprechen und Pausen einzulegen».

Ab 1977 hatte sie ihre eigene TV-Sendung «Torelli total». Und noch ein wenig später übernahm sie die Zürcher Märchenbühne, für die sie zahlreiche Stücke auf Schweizerdeutsch übersetzte. Und natürlich spielte sie auch mit: Dass sie 1990, mit 59 Jahren, noch die Titelrolle der «chline Häx» übernehmen konnte, war ein weiterer Beleg für ihre Wandelbarkeit.

Aber drei Jahre später machte sie einen Schnitt. Zusammen mit Edi Baur wanderte sie aus in die kanadische Provinz Nova Scotia. Heimweh hatte sie nie; sie geniesse ihre Ferien in Kanada, aus denen sie nie mehr nach Hause müsse, hat sie vor gut zehn Jahren in einem Interview gesagt. Nun ist Ines Torelli 88-jährig in ihrer Wahlheimat gestorben.

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