Fifty Words mit Spiegelei

Frühenglisch im Kindertheater? Die Gruppe Weltalm wagt den Versuch mit dem Stück «Grüeni Eier mit Späck uf Änglisch».

Ei, ei, ei: Peter Zumstein und Doro Müggler.

Ei, ei, ei: Peter Zumstein und Doro Müggler.

(Bild: Sibylla Walpen)

Regula Fuchs

«Ich mag das nicht.» Erziehungsberechtigte hören diesen Satz öfter, im Speziellen am Esstisch, und vor allem, wenn es um Lebensmittel grüner Farbe geht. Aber auch die Kleinen bekommen ihn zuweilen zu hören, etwa dann, wenn die Eltern einmal in Ruhe gelassen und gerade nicht gekitzelt werden wollen.

«I don’t like»: Auf diesen Satz bauen das Kinderbuch «Green Eggs and Ham» und auch das Stück «Grüeni Eier mit Späck uf Änglisch» der Berner Gruppe Weltalm auf. Und ja, «uf Änglisch» ist diese Inszenierung in der Tat, auch wenn sie sich an ganz normale Kleine ab sechs Jahren richtet und nicht an Sprachwunderkinder. Ein Stück in einer Fremdsprache – ob das beim Zielpublikum ankommt?

Das Testkind (9) jedenfalls ist neugierig, seine Englischkenntnisse beschränken sich auf «Gimme five», «Superman» oder «Sandwich». Und da hat es Glück, denn diese Worte werfen sich die beiden Darsteller gleich am Anfang um die Ohren, als wollten sie den Kindern zeigen, dass sich auch im Berndeutschen recht viel Englisches tummelt. «Easy, si heis tschegget», und dann kanns richtig losgehen im Keller des Schlachthaus-Theaters.

Da ist also diese Göre in Petticoat und Arbeitsjacke (Doro Müggler), die ihren amerikanischen Akzent im Mund kaut wie Chewinggum. Sam-I-Am nennt sie sich, und das ergibt reimtechnisch durchaus Sinn, wie man später erfahren wird. Sam-I-Am also fuhrwerkt mit allerlei Gadgets auf der multifunktionalen Bühne herum, und dass sie irgendwann aus ihrem Werkzeugkasten grüne Spiegeleier und Speck zieht, verwundert dann auch keinen mehr.

Ausser natürlich die zweite Figur (Peter Zumstein), verschnupft und verschupft in seinem braunen Cord-Anzug, der Uniform der Normalos. Ein naher Verwandter von Mr. Bean scheint er zu sein, der es mit dem Teebeutel und den Ritualen zu Feierabend sehr genau nimmt. Und nein, grüne Eier mit Speck, die möge er nicht, sagt er zu Sam-I-Am: «I don’t like green eggs with ham, I do not like them, Sam-I-Am!» Und zwar auch nicht «in a box» oder «with a fox», nicht «in a house» oder «with a mouse», nicht «on a boat» oder «with a goat». Denn Sam-I-Am versucht alles, ihm diese Eier schmackhaft zu machen – sei es mit selbstfahrenden Mäusen, Fuchsschwanz oder als Gras fressende Geiss (dass es sich dabei um Rucola handelt, hält das Testkind aufmerksam in seinem Notizheft fest).

Sprache ohne Nachhall

Wie schmeckt nun das Englische auf dieser Kindertheaterbühne (Regie: Dominique Jann)? Nimmt man einem Schauspieler die Sprache weg, geschieht in der Regel nichts Schlimmes – speziell im Fall des Theaters Weltalm, das sich auf den Einsatz von Körper und Ausstattung prächtig versteht (und schon Klassiker wie «Mary Poppins» oder «Das doppelte Lottchen» schön aufgepimpt hat). Gibt man einem Schauspieler nun aber eine Fremdsprache, und zwar eine, die nur die, nun ja, kleinere Hälfte des Publikums versteht, passiert etwas Seltsames: Sie wirkt steif und klingt so trocken, als hätte ihr jemand den Stecker gezogen. Kann sein, dass die Darsteller zu Beginn noch nicht ganz auf Betriebstemperatur sind, es könnte aber auch an der Beschränktheit des Originaltexts liegen. Dr. Seuss, der Autor dieses Kinderklassikers aus dem Jahr 1960, ging mit seinem Verleger eine Wette ein, dass er ein Kinderbuch mit gerade einmal 50 Wörtern schreiben könne. Er gewann sie.

Nur 50 Wörter also. Aber auch die sind nicht immer ganz einfach zu verstehen, meint das Testkind im Nachhinein. Dafür zünden gegen Ende die Spielideen. Vor allem der eine grosse, prächtige, überraschende Spezialeffekt, der hier nicht verraten sei (für Bühne und Ausstattung verantwortlich: die Profitüftler Markus Schrag und Luciano Andreani). Da lösen sich dann alle Krämpfe, auch jene im Stück: «I like green eggs and ham. Thank you, Sam-I-Am!»

Abschliessende Notiz des Testkinds: «Es ist lustig.»

Weitere Aufführungen im Schlachthaus-Theater: 11./12./18./19. März, 16 Uhr.

Der Bund

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