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Es wird viel gestorben

Zwischen Richard Wagner und Udo Jürgens: Das Theater stirbt ein wenig mit in der Uraufführung von Alvis Hermanis' «Die schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper».

Die allerschönste Szene in «Die schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper» – dem neuen Projekt des lettischen Regiestars Alvis Hermanis –, sie stammt gar nicht aus einer Oper. Sondern aus einer Suite für Kammerorchester, die aus vierzehn kleinen Sätzen besteht.

Genau, es ist das Andantino grazioso «Der Schwan» aus dem «Karneval der Tiere» von Camille Saint-Saëns aus dem Jahr 1886, zu dem Michel Fokine zwei Jahrzehnte später das Ballett-Solo «Der sterbende Schwan» choreographierte, das ihn und die erste Schwanen-Ballerina weltberühmt machen sollte. Hier allerdings, in der Schiffbaubox, ist der Spitzentanz ein Ding der Unmöglichkeit: Mit Müh und Not haben sich die sieben greisen Gestalten auf den langen, weissen Verandatisch des noblen Altersheims im Jugendstillook gehievt, schwer atmend, die Krücken und Rollstühle in Reichweite behaltend.

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