«Es wird im Theater Matte nie Schenkelklopf-Theater geben»

Berner Woche

Corinne Thalmann, die neue künstlerische Leiterin am Theater Matte, beantwortet Fragen über die Theater-Matte-Welt, Mundart und ihre Ziele als künstlerische Leiterin.

Corinne Thalmann ist die neue künstlerische Leiterin am Theater Matte.

Corinne Thalmann ist die neue künstlerische Leiterin am Theater Matte.

(Bild: zvg/ Alfredo Mena)

Ane Hebeisen

Sie sind gelernte Schauspielerin. Was waren Ihre Träume, als Sie diese Ausbildung begannen?
Mein Traum war, einmal von meiner Theater-Arbeit leben zu können. Ich dachte, das sei ein bescheidener Wunsch, doch wenn ich sehe, wie es anderen Kollegen geht, dann war er sogar ziemlich ambitioniert.

Je gedacht, dass Sie mit 31 als künstlerische Leiterin in einem Berner Mundart-Kleintheater amten?
Nein, das habe ich auch dann nicht, als ich vor einem Jahr als Assistentin meiner Vorgängerin Livia Anne Richard im Theater Matte begonnen habe. Aber es fühlt sich gut an.

Wie haben Sie sich für Ihren neuen Job fit gemacht?
Ich hatte zuvor schon eine kaufmännische Ausbildung gemacht, die anfallenden Büroarbeiten sind mir also nicht fremd. Ansonsten: Ich schaue gut zu, hinterfrage Abläufe und Entscheidungen, und ich hatte als Assistentin bereits viel Mitspracherecht. Die Stückauswahl der kommenden Saison haben Livia Anne Richard und ich bereits gemeinsam getroffen.

Im Theater Matte wimmelt es von gelernten Schauspielern oder Bühnentechnikern, die Regie führen, oder von Theater machenden Musikern. Was verbindet diese Menschen?
Alle haben Lust, auf dieser Bühne etwas zu erschaffen. Es sind alles Macher hier. Der Umstand, dass wir mit Laien und Profis zusammenarbeiten, eröffnet immer wieder überraschende Ansichten auf das Theater. Es sind Leute, die auch mal über den Tellerrand des Theaters hinausblicken. Das grosse Glück an diesem Haus ist es, dass man sich gegenseitig zuhört und einander respektiert.

Ketzer würden sagen, zu viel Harmonie und Demokratie führt zu langweiliger Konkordanz-Kunst.
Man könnte diesen Ketzern entgegenhalten, dass es selten schlecht ist, wenn alle an einem Strick ziehen und in einem Team Einigkeit darüber herrscht, was man erreichen will.

Was wollen Sie denn erreichen? Wie würden Sie diese Theater-Matte-Welt umschreiben?
Unser Erfolgsrezept ist, neben der Mundart, dass wir Stücke mit hohem Identifikations-Potenzial aussuchen. Diese Gratwanderung zwischen Volksnähe und Anspruch ist uns offenbar ganz gut gelungen, in der letzten Saison hatten wir eine Auslastung von fast 100 Prozent.

Ambitionen, diese Welt um neue Facetten zu erweitern?
Es wird bei uns nie performatives Theater geben. Es wird auch keine Stücke geben, die nur auf Klamauk und Schenkelklopfer aus sind. Ich werde in diesem Rahmen ausloten, was an diesem Haus möglich ist, und auch mal etwas Mutigeres programmieren. Am Konzept rütteln werde ich aber nicht.

Die Saison startet mit Humorigem, Dramatischem und ein bisschen Gesellschaftskritik. Quasi der Erfolgsdreizack des Hauses?
Die Stücke sind total unterschiedlich. «Villa Danserault» des kanadischen Autors Jonathan Bernier ist ein sehr sinnliches, luftiges Stück voller Tiefe und Dramatik. Marcel Suters «Mumien» ist eine wunderbare Komödie, die ohne Humor-Brechstange auskommt. Und der «Nachruf» handelt davon, was von einem Menschen nach dem Tod übrig bleibt.

Sie leiten ein Mundart-Theater. Gibt es einen besonderen Bezug zu dieser Sprache?
Ich bin in Gümmenen aufgewachsen. Meine Eltern sprachen jedoch Zürichdeutsch: Ich wechselte erst in der 9. Klasse – von einem Tag auf den anderen – auf Berndeutsch. Später lebte ich sieben Jahre in Berlin. Durch diese Distanz habe ich eine besondere Beziehung zum Dialekt. Es ist uns hier ein grosses Anliegen, dass das Berndeutsch so klingt, wie man es heute spricht. Es soll nicht nach Gotthelf tönen, und doch sollen auch seltenere Ausdrücke dieser reichen Sprache Platz haben. Deshalb überlassen wir die Übersetzungen nicht der Regie, jedes Stück wird von uns oder von externen Spezialisten übersetzt.

Der Bund

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