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Ein Flüchtlingsdrama auf der Aare

Das Musical «Schiffbruch» der Oberstufe Dotzigen wird sogar am Stadttheater Bern aufgeführt.

Die französischen Glaubensflüchtlinge werden in Bern nicht mit offenen Armen empfangen: Proben zum Musical «Schiffbruch» in Dotzigen.
Die französischen Glaubensflüchtlinge werden in Bern nicht mit offenen Armen empfangen: Proben zum Musical «Schiffbruch» in Dotzigen.
zvg

«Immer wenn ein schweres Gewitter im Anzug war, vernahm man im Uferwald ihr verzweifeltes Lärmen und Brüllen.» Gemeint sind die unerlösten Seelen betrunkener Schiffsleute, die im Jahr 1687 das grösste Schiffsunglück der Schweizer Geschichte verantworteten. Die Zeilen stehen in der Sage «Die pflichtvergessenen Schiffsknechte» von Sergius Golowin, der historische Hintergrund aber ist real. Was sich wie eine aktuelle Schlagzeile zu einem Drama auf dem Mittelmeer liest, spielte sich vor mehr als 300 Jahren ab. Bei den 111 ertrunkenen Flüchtlingen, die damals in den ungezähmten Fluten der Alten Aare zwischen Aarberg und Lyss den Tod fanden, handelte es sich um Hugenotten, in Bern abgewiesene Glaubensflüchtlinge aus Frankreich.

Als Geschichtslehrer sei es ihm ein Anliegen, historische Parallelen aufzuzeigen und die Schülerinnen und Schüler für aktuelle Themen zu sensibilisieren, sagt Felix Egli von der Oberstufe Dotzigen. Er hat den Text zum Musical «Schiffbruch» geschrieben (Musik: Ueli Buri und Kurt Lutz). In der Gegenwart ärgert sich im Musical ein Lehrer über illegale Partys im Auenschutzgebiet, und alkoholisierte Jugendliche verursachen einen Verkehrsunfall. Auch eine gut integrierte Flüchtlingsfamilie tritt auf, die eine dramatische Flucht übers Mittelmeer hinter sich hat und vor der Ausweisung steht.

Partner in einem «Musical-KMU»

Musicals haben an der Oberstufe Dotzigen eine 30-jährige Tradition. Zu Beginn waren es Abschlusstheater der 9. Klassen, heute sind es – jedes dritte Jahr – Gesamtschulproduktionen mit rund 100 Mitwirkenden, einem Dutzend Lehrpersonen und externen Fachleuten. Das ganze Schuljahr 2018/19 stand unter dem Motto «Sagen wir Flucht». An einem Thementag stand neben einem Simulationsspiel mit der Flüchtlingshilfe auch eine historische Wanderung auf den Spuren der Hugenotten auf dem Programm. Am Ort des Schiffsunglückes zündeten sie im Gedenk an die Opfer 111 Kerzen.

Regulärer Unterricht hat nur noch bis Ende Mai stattgefunden; der ganze letzte Monat des Schuljahres wird für die Vorbereitung des Musicals eingesetzt, das Schulhaus verwandelt sich in ein Musical-Atelier. «Die klassische Lehrer-Schüler-Beziehung wird so aufgebrochen», beobachtet Felix Egli, «man lernt gewisse Schülerinnen und Schüler von einer ganz anderen Seite kennen. Plötzlich sind wir Partner in einem Musical-KMU.»

Ein halbes Jahr nachdem Egli das Musical in Angriff genommen hatte, erfuhr er aus den Medien, dass zwischen Aarberg und Lyss ein Teilstück des Hugenottenwegs eröffnet wurde – mit einer Gedenkstätte für die Ertrunkenen. Jetzt fällt die Eröffnung eines weiteren Teilstücks des Hugenottenwegs zwischen Lyss und Büren mit der Aufführung des Musicals zusammen. Der erste Teil der Eröffnungsfeier wird mit Musical-Ausschnitten am 29. Juni in Dotzigen stattfinden.

Damit nicht genug: 2016 hatte Cihan Inan, Schauspieldirektor von Konzert Theater Bern, eine Aufführung des Popmusicals «Nathan» besucht, einer modernen Adaption von Lessings «Nathan der Weise». Er war beeindruckt und bot spontan an, für die Dernière des neuen Musicals die Vidmarhalle 1 im Liebefeld zur Verfügung zu stellen. Und so kommt es nun, dass die Oberstufe Dotzigen ein Gastspiel gibt am Stadttheater Bern.

Vorstellungen in der Alten Turnhalle, Dotzigen: Heute, 24/25./26. Juni: 20 Uhr. 27. Juni: 19 Uhr. Gastspiel Stadttheater Vidmar 1 Liebefeld: 29.6., 19.30 Uhr

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