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Ein ernstes Spiel

Es hätte ein heilloses Köppeln und Gegen-Köppeln werden können – doch Milo Raus «Zürcher Prozesse» gegen die «Weltwoche» erwiesen sich als anregend und unterhaltsam.

Entschieden sich zugunsten der «Weltwoche»: Die Geschworenenjury.
Entschieden sich zugunsten der «Weltwoche»: Die Geschworenenjury.
Theater Neumarkt, Markus Tomsche
Vermochte in den Kreuzverhören nicht zu überzeugen: Kläger Robert Misik. Dahinter die Verteidiger Valentin Landmann (links) und Claudio Zanetti. (Zweiter Prozesstag)
Vermochte in den Kreuzverhören nicht zu überzeugen: Kläger Robert Misik. Dahinter die Verteidiger Valentin Landmann (links) und Claudio Zanetti. (Zweiter Prozesstag)
Theater Neumarkt, Markus Tomsche
Veranstalter: Milo Rau vor der Eröffnungssitzung. (Erster Prozesstag)
Veranstalter: Milo Rau vor der Eröffnungssitzung. (Erster Prozesstag)
Keystone
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Gestern Abend, 19.28 Uhr, wurde im Theater Neumarkt das Urteil verkündet. Es fiel wie erwartet aus: Freispruch für die «Weltwoche»; im Verhältnis von 6 zu 1 lehnten die Geschworenen eine Verurteilung ab. Zu weit war schliesslich doch der Abstand zwischen persönlicher Empörung und konkreter Verurteilung, zu gross der Respekt der Geschworenen vor der Pressefreiheit, zu deutlich die Schwäche der Anklage, die während der drei Prozesstage an einem Flickwerk von Vorwürfen geknüpft, aber kein stimmiges Gesamtbild zustande gebracht hatte. Dabei hatte Theatermacher Milo Rau gemeinsam mit Alt-Bundesrichter Giusep Nay ein sehr merkwürdiges Rechtskonstrukt ausgetüftelt. Eines, das dramaturgische Spannung gewährleistete und der Anklage, die abseits der Theaterbühne ohne jede Chance gewesen wäre, eine bescheidene Aussicht auf Erfolg ermöglichte.

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