Die Wahrheit im Dunkeln

Sinnsuche auf einem 
unsichtbarem Schachbrett: «Fundamentalisten» von Schauplatz International.

Xymna Engel

«Der Berg ist in uns.» Die Gruppe Schauplatz International hat auch dieses Mal an die Stelle einer Inhaltsangabe zu ihrem Stück einen metaphorischen Bewusstseinsstrom gesetzt: Ein Gorilla wird zu Grabe getragen, ein Streit eskaliert unterm Weihnachtsbaum, ein Pilgerreisender sucht nach Orten der Wahrheit und in Paris wird ein Attentat verübt. Denn Kunst kann man am besten mit Kunst beschreiben. Und Fundamentalismus ist mehr als ein Anschlag.

Nach «Idealisten», dem ersten Teil der «-isten»-Trilogie von Schauplatz International, hat die Gruppe um Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl und Lars Studer auch für ihr neues Stück Lesezeichen ins Weltgeschehen gesteckt. «Fundamentalisten» ist ein Destillat aus Romanen, Reisen, Dokumentarfilmen und Eilmeldungen; auf der Bühne werden die Referenzen zum unsichtbaren Schachbrett.

In «Idealisten» sabotierte die deutsch-schweizerische Gruppe die Idealvorstellung eines Kunstwerks, indem sie stundenlang eine windschiefe Holzkonstruktion aufbaute – ohne ein Wort zu sagen. Und auch «Fundamentalisten» ist kein politischer Kommentar, sondern eine poetische künstlerische Auseinandersetzung mit dem Begriff – ohne Scheinwerfer.

Vielleicht gibt es ein kleines Licht im Dunkeln, vielleicht hört man ein leises Kratzen. Wahrscheinlich erzählt eine Frau auf Isländisch von einer Reise, die in den Schweizer Alpen beginnt, nach Holland, Berlin und Dänemark führt, und zu Hause endet. Was wirklich auf der Bühne passiert, soll Rätsel bleiben.

Doch was hat das alles mit Fundamentalismus zu tun? «Der Künstler stellt Fragen zur Welt und will mit seinem Werk eine Antwort drauf finden. Er bereitet sich lange auf den Moment der Präsentation vor. Auch der Fundamentalist strebt nach der ultimativen Geste, uns verbindet die Sinnsuche», so Ellend.

Und letztlich steht dafür auch der Berg: Als eine Metapher für etwas, das erklommen werden will. Nicht nur in der Kunst, sondern vor allem in einem selbst.

Schlachthaus-Theater: Freitag, 13. März, 20.30 Uhr (Premiere), weitere Vorstellungen bis 21. März.

Der Bund

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