Die Puppen tanzen weiter

Die Stars im Berner Puppentheater sind und bleiben die Puppen, auch wenn ab dieser Saison neues Personal hinter ihnen steckt. Ein Premierenbesuch.

Grosse Gefahren und kleine Botschaften: «Wo isch d’Karina».

Grosse Gefahren und kleine Botschaften: «Wo isch d’Karina».

(Bild: zvg)

Es kann auch ein gutes Ende nehmen, wenn sich ein Mädchen im Wald verläuft. In der Realität wie auch im Märchen. Die vierjährige Karina Schikitowa wurde nach zwei Wochen in der sibirischen Wildnis gefunden. Begleitet und beschützt von ihrem Hund, suchte sie die ganze Zeit über ihren Vater, der in der Ferne einen Waldbrand bekämpfte.

Auf dieser Begebenheit beruht das Stück «Wo isch d’Karina?», mit welchem das Berner Puppentheater unter neuer Leitung die Saison eröffnet. Der Wechsel ist fliegend, was umso erfreulicher ist, als doch vor knapp zwei Jahren die Zukunft dieser kleinen Bühne noch in den Sternen stand. Monika Demenga und Hans Wirth suchten eine Nachfolge und fanden sie schliesslich in ihren eigenen Reihen: Frank Demenga und Karin Wirthner, beides ausgebildete Schauspieler, hatten schon zuvor die Puppen gespielt. Jetzt haben sie sich neben ihrer freien Gruppe Arthea auch der Aufgabe angenommen, die Tradition im Keller in der Gerechtigkeitsgasse weiterzuführen.

Menschen, die mit liebevoll gemachten Puppen und einfachen Mitteln Geschichten erzählen – dieses Metier erfordert Leidenschaft und Hingabe. Beides beweisen Wirthner und Demenga, und ausserdem verleihen sie den Puppen fabelhaft verschiedene Stimmen und Gesten. Und wenn das für Kinder heute manchmal wirken mag, als blätterten sie durch die Poesiealben ihrer Grosseltern, so besitzt es doch einen schönen Wert, wenigstens diese Form der Unterhaltung vor der Erneuerung und Medialisierung zu bewahren. Die drei Babymäuse, die Karina im Wald begegnen, hätte Disney kaum witziger gestaltet, und wenn sie Frank Demenga an der Stange durch die Kulisse tanzen lässt, ist es schwer zu sagen, wen das mehr amüsiert: die Kinder oder ihre Begleitung.

Gutes Ende, guter Start

Der etwas törichte Hund Najda, der dauernd abhaut, um Karinas Vater zu suchen, wird in seiner Körperhaltung ebenso lebendig wie später der Zwerg oder der altersschwache Wolf. Das Hasenbaby hängt nervös an seiner Karotte und hat wie alle Tiere von den Eltern Vorurteile gegen Menschen eingebläut bekommen, die jedoch mit jeder Begegnung mit Karina abgemindert werden. Kleine Botschaften stecken also auch in diesem Stück, bei welchem die Ehemaligen auch noch im Hintergrund wirken. Monika Demenga hat es geschrieben und inszeniert, auch die Figuren stammen noch von Hans Wirth und ihr. Nach einem Vierteljahrhundert bleibt ihre Arbeit und Unterstützung weiterhin erhalten.

Kurz wird es wirklich gefährlich für Karina und ihren Hund. Die Wesen im Wald werden zaubrischer, eine Hexe sperrt sie ein, wird aber glücklicherweise vom Befehlen müde und lässt sicht überlisten. Waldgeist und Mond spannen zur Rettung zusammen, und schliesslich ist der Vater zurück und die Mutter, die im Krankenhaus lag, genesen. Ein gutes Ende auf der Bühne also. Und für das momentan unsubventionierte Puppentheater ein guter Start nach einem sanften Wechsel.

Weitere Vorstellungen vor- und nachmittags bis zum 19. November.

Der Bund

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